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aus dem Eventrecht

Kleidung fängt bei Feuerwerk Feuer

Von Thomas Waetke 16. Januar 2010

An einem Silvesterabend hatte eine 16-Jährige einen Feuerwerkskörper abgeschossen und dabei eine 12-Jährige getroffen. Diese erlitt dabei große und schwere Verbrennungen, da ihr Anorak Feuer fing. Sie klagte nun gegen die „Schützin“ auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das Verfahren durchlief zwei Instanzen, zuletzt wurde dem verletzten Mädchen eine Mitschuld an dem Unfall unterstellt. Die Begründung der Richter: Das verletzte Mädchen trug einen Anorak aus Synthetik. Sie habe sich bewusst einer Gefährdung durch das Feuerwerk ausgesetzt, eine wesentliche Ursache der Verletzungen lag in dem leicht entzündlichen Anorak, den sie trug.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Das Urteil beruht jedenfalls teilweise auf Besonderheiten des Sachverhalts (windiges Wetter, enge Platzverhältnisse, Begleitung durch die Eltern usw.), so dass man wohl schon sagen könnte, dass sich das verletzte Mädchen einer Gefährdung ausgesetzt hatte. Anders wäre es auf jeden Fall zu entscheiden gewesen, wenn für das Mädchen die Gefahrenlage überhaupt nicht erkennbar gewesen wäre. Fragwürdig erscheint jedoch, dem Mädchen (auch) deshalb ein Mitverschulden zu unterstellen, weil sie leicht entzündliche Kleidung getragen hatte.

Bei dem Unglück in Kaprun am 11.11.2000 kamen 155 Menschen in der Gletscherbahn ums Leben, als ein Heizlüfter Feuer fing. Auch hier wurde festgestellt, dass das Feuer wesentlich dadurch bestärkt wurde, da auch die in der Gletscherbahn befindlichen und teilweise eingeschlossenen Menschen bzw. deren Synthetik-Skibekleidung leicht Feuer fing und lichterloh brennen konnte.

So sollte u.a. im Garderobenbereich von Veranstaltungen – in dem sich oftmals Synthetik-Kleidung in großer Menge befindet – umso mehr auf Brandschutz bzw. bereits Brandvermeidung geachtet werden. Unachtsam aufgestellte PAR-Scheinwerfer, die eine enorme Hitze entwickeln, können im Zusammenspiel mit in der Nähe abgehängter Garderobe schon einen Brand auslösen.