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Kinderwagen fällt ins Wasser – Verantwortung des Veranstalters?

Kinderwagen fällt ins Wasser – Verantwortung des Veranstalters?

Von Thomas Waetke 5. Juni 2014

Verkehrssicherung bei Uferböschung: Bei einem Drachenbootrennen im englischen Exeter kam es zu einem Zwischenfall, bei dem glückerweise niemand verletzt wurde: Als eine Zuschauerin kurz unachtsam war, rollte ihr Kinderwagen über die Uferwand, und fiel mit dem Baby ins Wasser. Andere Zuschauer sprangen hinterher und zogen beide aus dem Wasser. Viele Veranstaltungen finden in Wassernähe statt. Gibt es hier dann auch eine Verantwortung des Veranstalters?

Grundsätzlich ja.

Auch Hafenanlagen, Uferböschungen usw. gehören ja irgendwem. Und der Eigentümer ist grundsätzlich für die Sicherheit seiner Anlagen verantwortlich. Bezieht ein Veranstalter Uferböschungen oder Hafenanlagen in seine Veranstaltung mit ein, so betrifft die Verkehrssicherungspflicht auch den Veranstalter.

Der aufmerksame Besucher

Allerdings darf der Verkehrssicherungspflichtige grundsätzlich von einem sorgfältigen, aufmerksamen Besucher ausgehen. Daher kommt es darauf an, ob die Böschung für den Besucher ohne weiteres erkennbar ist. Wenn ja, muss der Eigentümer bzw. Veranstalter grundsätzlich auch keine Sicherheitsmaßnahmen dafür treffen, dass niemand ins Wasser fällt.

Veranstalter ist verkehrssicherungspflichtig

Anders kann es allerdings sein, wenn…

  • es dunkel ist, und die Böschung daher nicht erkennbar ist;
  • es wenig Platz zum Ausweichen gibt, bspw. weil ein schmaler Weg an der Uferböschung langführt;
  • der an der Böschung stehende Besucher durch die Besuchermenge ins Wasser geschoben wird bzw. die Anzahl der Besucher die Gefahr in sich birgt, dass am Rand stehende Besucher ins Wasser fallen;
  • die Böschung rutschig oder nicht stabil ist und abbrechen könnte;
  • der Veranstalter Spiele und Wettbewerbe unmittelbar an der Uferkante anbietet, und damit die Konzentrationsfähigkeit der Teilnehmer auf das Spiel gerichtet wird;
  • bereits in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht wurden, die Gefahrenstelle also nicht als „neu“ eingestuft werden kann.

Soweit der Veranstalter grundsätzlich eine Gefahr in der Situation erkennt, er aber zugleich davon ausgehen darf, dass sich der Besucher darauf einstellt, mag bspw. die Absicherung der Böschung mit Gittern unzumutbar sein. Zumutbar kann aber vielleicht sein, geeignete Rettungsmittel oder -personal vorzuhalten für den Fall, dass jemand ins Wasser fällt.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Absperrgitter nebeneinander abgestellt: © gashgeron - Fotolia.com