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aus dem Eventrecht

Kinder von Pferden verletzt

Von Thomas Waetke 27. August 2010

Bei einem Fackelzug im emsländischen Lathen wurden 44 jugendliche Teilnehmer verletzt, 15 von ihnen schwer; ein Kind schwebte zunächst in Lebensgefahr.

Die Gruppe bestand aus 100 Kindern und Jugendlichen und 6 Betreuern, die einen nächtlichen Ausritt mit Fackeln unternahmen. Vermutlich weil eine Fackel heruntergefallen war, scheuten die Pferde, als die Gruppe schon wieder auf dem Rückweg war. Die Verletzten wurden teilweise ambulant behandelt bzw. auf vier Krankenhäuser der Umgebung verteilt, die Pferde wurden wieder eingefangen.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat ihre Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Reiterhofs wegen fahrlässiger Körperverletzung (§ 229 Strafgesetzbuch) aufgenommen.

Tipp von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Auch hier wird sich bald die Frage der Haftung stellen: War der Unfall vorhersehbar und vermeidbar? Waren die Kinder und Jugendliche ausreichend informiert und eingewiesen (da es sich um einen Ferienreiterhof gehandelt hat, kann davon ausgegangen werden, dass die Kinder jedenfalls nicht völlig ungeübt im Reiten waren)? Waren die Pferde ausreichend trainiert? War es vorhersehbar, dass durch die Fackeln etwas passiert? Hatte man hiergegen ausreichend Schutzvorkehrungen getroffen? War hierbei die hohe Anzahl von Tieren und Menschen berücksichtigt (je mehr Teilnehmer und Tiere, desto höher natürlich das Risiko)?

Immerhin ist nicht auszuschließen, dass der Unfall ein wirklicher Unfall war, ohne dass einem Beteiligten ein Schaden vorzuwerfen wäre.

Die gesetzliche Tierhalterhaftung:

Die Haftung des Tierhalters (§ 833 BGB) besteht unabhängig von seinem Verschulden. Tierhalter ist, wer die Bestimmungsmacht über das Tier hat, bzw. wer aus eigenem Interesse für die Kosten des Tieres aufkommt. Die Tierhalterhaftung wird nicht dadurch ausgeschlossen, dass sich der Geschädigte bewusst an das Tier angenähert hat (bspw. eben beim Reitkurs).

Die Haftung kann durch Vertrag nur ausgeschlossen werden, soweit der Nutzer das Tier berufsmäßig nutzt (z.B. der Jockey), was hier also nicht möglich gewesen wäre.

Die gesetzliche Tierhalterhaftung gilt nicht (siehe § 833 Satz 2 BGB), wenn

  • es sich bei dem betreffenden Tier um ein Haustier handelt, das dem Beruf, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalt des Tierhalters dient, und
  • der Tierhalter nachweisen kann, dass er bei Aufsicht seines Tieres die objektiv erforderliche Sorgfalt an den Tag gelegt oder der Schaden selbst dann entstanden wäre, wenn er die objektiv erforderliche Sorgfalt an den Tag gelegt hätte.

Die Haftungsrisiken kann der Tierhalter durch den Abschluss einer Tierhalterhaftpflichtversicherung abmildern.