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aus dem Eventrecht

Kinder auf der Veranstaltung

Von Thomas Waetke 7. Mai 2014

Kinder auf der Veranstaltung – nicht nur nett und schön, sondern auch für den Veranstalter nicht ungefährlich. Die Anforderungen an die Verkehrssicherungspflichten des Veranstalters steigen grundsätzlich, je jünger das Kind. Wer ist haftbar, wenn ein Kind in einer Spielecke spielt, die Eltern sind unterwegs, und plötzlich verletzt sich das Kind, als es hinter seinen Eltern hergehen möchte?

In dem nun vom Oberlandesgericht Hamm entschiedenen Fall besuchten Eltern mit einem vierjährigen Kind ein Geschäft. Dort gab es eine Spielecke für Kinder. Die Eltern setzten ihr Kind in die Spielecke, und schauten wenige Meter entfernt die Warenauslage in dem Geschäft an.

Das Kind wollte irgendwann wieder zu seinen Eltern. Auf dem Weg stand ein Metallständer, an dem Gürtel aufgehängt waren. Der Ständer war auf Rollen und damit leicht beweglich, und ca. 1,60 Meter hoch. Das Kind zog an einem Gürtel, der Ständer fiel um, das Kind wurde von einem Metall-Aufhänger am Ständer im Auge schwer verletzt.

Die Eltern verklagten den Betreiber des Geschäfts wegen Verletzung seiner Verkehrssicherungspflicht, der Betreiber hielt dagegen, dass die Eltern doch besser hätten aufpassen sollen.

Ein Sachverständiger stellte fest, dass der Ständer bereits bei einer Zugbelastung von nur 800 Gramm umfallen konnte.

Das OLG Hamm gab nun den Eltern recht:

Die Gefahrenquelle hatte der Betreiber geschaffen, in dem er einen Stände aufstellte, der leicht umfallen konnte und durch seine Metallspitzen, an denen die Gürtel aufgehängt wurden, auch erhebliche Verletzungen herbeiführen konnte.

Die Kunden durften darauf vertrauen, dass diese Gefahrenquelle beseitigt würde. Die Gefahrenquelle war für die Eltern nicht ohne weiteres erkennbar und beherrschbar, da die Eltern nicht damit rechnen mussten, dass der Ständer bereits bei einem leichten Ziehen umfallen könnte.

Das Angebot der Spielecke ändert auch nichts an der Haftung: Die Spielecke wurde gerade extra dafür eingerichtet, dass sich die Eltern sorgloser und ohne auf ihr Kind aufzupassen auf die Waren konzentrieren können sollten.

Der Betreiber hätte damit rechnen müssen, dass sich Kinder auch frei in dem Laden bewegen und aufgrund ihres Spieltriebes und ihrer kindlichen Neugier auch an den Gürtel ziehen würden.

Es wäre dem Betreiber auch zumutbar gewesen, den Ständer so zu errichten, dass er nicht derart leicht umfallen könne.

Das Gericht erkannte auch kein Mitverschulden der Eltern, weil sie ihr Kind nicht beaufsichtigt hätten: Selbst wenn die Eltern direkt neben dem Kind gelaufen wären, wäre es nicht auszuschließen, dass das Kind dennoch an dem Gürtel gezogen hätte; auch dann wäre der Ständer umgefallen, und dies hätten auch die Eltern nicht ohne Weiteres verhindern können, wenn sie direkt neben dran gestanden wären.