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aus dem Eventrecht

Kind von Baum überrollt

Von Thomas Waetke 5. November 2010

Bei einem Schulausflug in der Nähe von Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) ist ein Kind getötet und zwei weitere Kinder schwer verletzt worden. Die Kinder saßen auf einem Baumstamm, der auf zwei Querbalken lag. Als eine die Kinder begleitende Erzieherin diese aufforderte, von dem Baumstamm zu steigen, setzte der sich in Bewegung. Ein Gutachten hat ergeben, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre. Wie der SWR heute berichtet, hat das Amtsgericht Bad Kreuznach Strafbefehle gegen zwei Erzieherinnen und gegen den Förster wegen fahrlässigem Totschlags und fahrlässiger Körperverletzung erlassen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Das Gutachten hat den Unfallhergang überprüft und festgestellt, dass der Baum nur mit einem zu schwachen Keil gegen das Wegrollen gesichert war. Somit wäre der Unfall aus Sicht des Försters vermeidbar gewesen.

Das Amtsgericht hatte zudem auch den Erzieherinnen eine Verletzung ihrer Aufsichtspflicht vorgeworfen. Ein Gutachten hatte ergeben, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre.

Die Vermeidbarkeit ist ein wesentliches Kriterium der Fahrlässigkeit: Fahrlässig handelt, wer einen vermeidbaren und vorhersehbaren Schaden verursacht.

  • Im Strafrecht geht es dabei um die subjektive bzw. persönliche Sorgfalt jedes einzelnen Täters.
  • Im Zivilrecht (im eingangs genannten Fall ging es um die strafrechtliche Verurteilung) spielt dagegen die objektiv erforderliche Sorgfalt eine Rolle: Wer also nicht die objektiv gebotene Sorgfalt beachtet, handelt fahrlässig. Was der Handelnde wusste oder konnte, spielt im Zivilrecht also so gut wie keine Rolle. Es kommt vielmehr darauf an, was objektiv geboten war, um Schaden zu verhindern. Die Anforderung im Zivilrecht ist also deutlich größer: Die persönliche Dummheit oder Nachlässigkeit wird im Strafrecht berücksichtigt, nicht aber im Zivilrecht.

In dem eingangs geschilderten Fall könnten nun die Angehörgen bzw. die Krankenkassen/Versicherungen den Förster und die beiden Erzieherinnen auf Schadenersatz und Schmerzensgeld in Anspruch nehmen.