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Keine Lust? Macht keinen Sinn? Unnötig?

Keine Lust? Macht keinen Sinn? Unnötig?

by 31. Mai 2019

Aktuell heißt es, dass das Unternehmen, das die Bauarbeiten an Notre Dame in Paris durchgeführt hatte, als es zum verheerenden Feuer kam, eingeräumt habe, Mitarbeiter hätten nicht immer das strikte Rauchverbot eingehalten. Das Unternehmen erklärt es damit, dass es aufgrund der Weglängen schwierig sei, für einen Raucher nicht mal doch zwischendurch auf der Baustelle zu rauchen. Allerdings soll das in keinem Zusammenhang mit dem Feuer stehen (hier laufen die Ermittlungen noch).

Nach dem Schiffsunglück der Costa Concordia 2012 in Italien verlautete es aus entsprechenden Kreisen, dass es durchaus nicht unüblich sei, Schotten im Schiff für die Matrosen offen zu lassen, damit diese sich schneller durch das Schiff bewegen könnten: Das Öffnen und Schließen der Schotten würde in der Summe zu viel Zeit kosten, daher hätte es sich durchaus eingeschlichen, dass sie eben nicht mehr immer geschlossen seien.

Auch Veranstaltungen sind vor der „Faulheit“ der dort arbeitenden Personen nicht gefeit: Da ist es mal zu mühsam, einen Gesetzestext zu lesen oder zu verstehen, und ein anderes Mal, um brennbare Materialien aus der Location zu entfernen oder das im Rettungsweg stehende Fahrzeug gar nicht erst dort abzustellen usw.

Insbesondere natürlich aus der juristischen Praxis kann ich sagen: Oftmals scheitert es natürlich am Wissen, was es alles für Vorschriften gibt. Oftmals aber auch am Willen, überhaupt Vorschriften zu befolgen: Denn meistens „stören“ sie, kosten Geld, und machen Aufwand – und vor allem: Die Bemühungen erscheinen als nicht „sichtbar“. Das Gesetz reagiert auf diese ja eigentlich menschlichen Eigenschaften u.a. so:

  • Der Arbeitgeber ist verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu treffen, um seine Arbeitnehmer zu schützen (u.a. vor psychischem Belastungen).
  • Der Arbeitgeber muss Strukturen schaffen, die den Arbeitnehmern es ermöglichen, rechtskonform arbeiten zu können.
  • Auch der Unternehmer muss Strukturen schaffen, damit beauftragte Dienstleister rechtskonform arbeiten können.
  • Arbeitgeber und allgemein der Unternehmer muss bei der Beauftragung von Mitarbeitern oder Dienstleistern diese sorgfältig auswählen und kontrollieren.
  • Das Argument „ui, das ist so viel Arbeit“ ist grundsätzlich kein Argument, um notwendige Maßnahmen nicht treffen zu müssen.
  • Das gilt grundsätzlich auch für das Argument „ui, das ist aber teuer“.
  • Auch die weit verbreitete Einstellung „man kann ja gar nicht alle Vorschriften einhalten“ ist kein Argument dafür, eine Veranstaltung unter Missachtung von Vorschriften durchführen zu dürfen. Es obliegt nicht dem Einzelnen, darüber zu befinden, welche Vorschriften sinnvoll sind und welche nicht. Dementsprechend stehen viele Vorschriften auch unter dem Vorbehalt, bei Missachtung mit einem Bußgeld belegt werden zu können – allein weil sie nicht beachtet wurden und unabhängig davon, ob etwas passiert ist.

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