News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Kampfrichter von Speer tödlich getroffen

Von Thomas Waetke 28. August 2012

Bei einem Sportfest am Wochenende in Düsseldorf wurde am Sonntag ein Kampfrichter von einem Speer getroffen. Er verstarb am Montag im Krankenhaus. Ersten Ermittlungen zufolge lief der Kampfrichter zu früh los und wurde vom Speer an der Halsschlagader getroffen.

Sieben Zuschauer erlitten einen Schock, der Wettkampf wurde abgebrochen. Nach dem Tod werden die Zeugen und insbesondere der jugendliche Werfer psychologisch betreut.

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen aufgenommen, allerdings scheint es sich um einen Unfall gehandelt zu haben.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Stellt sich bei den Ermittlungen heraus, dass der Jugendliche den Speer nach der Freigabe durch die Schiedsrichter korrekt abgeworfen hatte und lief der Schiedsrichter in die Wurfbahn hinein, so kann dem Werfer natürlich auch kein Verschuldensvorwurf gemacht werden. Dies gilt sowohl strafrechtlich mit Blick auf den Tatbestand deer fahrlässigen Tötung als auch zivilrechtlich mit Blick auf Schadenersatz der Angehörigen.

In einem vom Amtsgericht Westerstede 2009 entschiedenen anderen Fall wurde bei einem Trainingswurf eine Frau von einem Speer getroffen und verletzt. Sie verklagte daraufhin den jugendlichen Werfer und dessen Trainer auf Schadenersatz.

Das Gericht hat letztlich nur den für die Aufsicht verantwortlichen Trainer verurteilt. Dieser hätte kurz vor dem Wurf nochmals kontrollieren müssen, ob der Wurfbereich frei ist. Außerdem war nicht ausreichend, dass er den Wurfbereich mit Pylonen abgesteckt hatte. Pylonen dienen nämlich gerade im Sport einer Vielzahl von Funktionen, darunter auch einem Slalomparcours oder als Wendepunkte. Im Gegensatz zum Straßenverkehr würden Pylonen im Sport nicht ohne Weiteres als Gefahrenhinweis verstanden. Der Trainer hätte vielmehr den Bereich mit Stangen und rot-weißem Flatterband absperren müssen. Diese Maßnahme wäre nicht nur erforderlich, sondern auch angesichts der Kosten im Verhältnis zu der Gefahr leicht zumutbar gewesen. Damit hat der Trainer gegen seine Verkehrssicherungspflichten verstoßen.

Dem jugendlichen Werfer dagegen konnte kein Vorwurf der Fahrlässig gemacht werden, da er als jugendlicher Sportler auf seinen Trainer hatte vertrauen dürfen, und er außerdem sich hatte konzentrieren müssen. Schließlich konnte er von seinem Startpunkt für seinen Anlauf die Stelle nicht einsehen, auf der die Frau in die Bahn gelaufen war.

Das Gericht entschied weiter, dass der Frau 60 % Mitverschulden zugerechnet werden müssten, da sie einerseits wusste, dass auf dem Sportplatz Speerwurftraining stattfindet und andererseits hätte erkennen können, dass die Pylonen eine Absperrung sein sollten.

Übrigens: Ein Sportfest ist eine mehr oder weniger „normale“ Veranstaltung, bei der die gleichen Regeln gelten wie bei anderen Veranstaltungen: Auch beim Sportfest kann gelten

  • die Versammlungsstättenverordnung,
  • das Jugendschutzgesetz,
  • das Gaststättenrecht,
  • der Lärmschutz,

usw., ebenso muss bei öffentlichen Sportfesten, bei denen Musik abgespielt wird, GEMA bezahlt werden u.a.