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Juristenhumor

Juristenhumor

by 11. November 2018

Die Faschingszeit regt auch den einen oder anderen Juristen zu humoristischen Ausfällen an. So heißt es in einem Urteil des Amtsgerichts Höxter aus dem Jahr 1995 poetisch:

Am 3.3.95 fuhr mit lockerem Sinn
der Angeklagte in Beverungen dahin.
Daheim hat er getrunken, vor allem das Bier
und meinte, er könne noch fahren hier.
Doch dann wurde er zur Seite gewunken.
Man stellte fest, er hatte getrunken.
Im Auto tat’s duften wie in der Destille.
Die Blutprobe ergab 1,11 Promille.
Das ist eine fahrlässige Trunkenheitsfahrt,
eine Straftat, und mag das auch klingen hart.
Es steht im Gesetz, da hilft kein Dreh,
§ 316 Absatz 1 und 2 StGB.

So ist es zum Strafbefehl gekommen.
Auf diesen wird Bezug genommen.
Der Angeklagte sagt, den Richter zu rühren:
„Das wird mir in Zukunft nicht wieder passieren!“
Jedoch es muß eine Geldstrafe her,
weil der Angeklagte gesündigt, nicht schwer.
30 Tagessätze müssen es sein
zu 30,- DM. Und wer Bier trinkt und Wein,
dem wird genommen der Führerschein.
Die Fahrerlaubnis wird ihm entzogen,
auch wenn man menschlich ihm ist gewogen.
Darf er bald fahren? Nein, mitnichten.
Darauf darf er längere Zeit verzichten.
5 Monate Sperre, ohne Ach und Weh,
§§ 69, 69a StGB.

Und schließlich muß er, da hilft kein Klagen,
die ganzen Verfahrenskosten tragen,
weil er verurteilt, das ist eben so,
§ 465 StPO.

Angesichts dieser schicken Reime wollte dann der Anwalt des Verurteilten offenbar nicht hintenanstehen und schrieb an das Gericht:

Der Mandant, einerseits zufrieden,
andererseits ein wenig beklommen,
hat den Urteilsspruch vernommen.
Im Hinblick auf die Sach- und Rechslagen, die allseits bekannten,
und nach Rücksprache mit dem Mandanten
tu ich hiermit kund
für alle in der Rund‘,
für Staatsanwaltschaft und Gericht:
Rechtsmittel einlegen – tun wir nicht.

Termin am 11.11. um 11:11 Uhr

Ein Familienrichter wollte auch mal lustig sein und legte einen Termin zur mündlichen Verhandlung auf den 11.11. um 11:11 Uhr.

Ein beteiligter Anwalt fand das aber nicht so lustig und stelle einen Antrag wegen Befangenheit dieses lustigen Richters. Daher musste sich das Oberlandesgericht München mit dem Termin beschäftigen und entschied:

Eine vernünftige Partei könne wegen der Art und Weise der Terminierung keine Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Richters haben. Das Oberlandesgericht wies auch die Befürchtung zurück, der Richter habe durch die Terminierung „ihre Menschenwürde mit Füßen“ getreten oder würden den Streit als „närrisch“ empfinden: Auch in einer Familiensache könnten die Parteien etwas Humor, zumindest aber Gelassenheit, zeigen und sollten nicht zu überempfindlich reagieren.

 

Thomas Waetke

Ich bin Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und der Herausgeber und Autor hier auf eventfaq.de. Hier lesen Sie mehr über mich.

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