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aus dem Eventrecht

Jugendliche irren durch den Wald

Von Thomas Waetke 4. April 2013

Auf einem Jugendlager in Neustadt (Bayern) sind am Ostersonntag drei Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren für mehrere Stunden mitten in der Nacht verschwunden. Die Betreuer hatten die Jugendlichen in mehrere Gruppen eingeteilt, die nachts zu einem Aufsichtsturm wandern sollten. Eine Gruppe kam dabei aber nicht an: Sie irrten leicht bekleidet bei Minustemperaturen stundenlang durch den Wald, bis sie schließlich von Rettungskräften gefunden wurden. Ein Mädchen verletzte sich am Fuß und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Dass hier eine Aufsichtspflichtverletzung nahe liegt, dürfte niemanden überraschen, zumal die Betreuer die Gruppen ohne Taschenlampe und ohne Hilfsmittel auf den Weg geschickt hatten.

Die Betreuer könnten sich wegen Aussetzung (§ 221 StGB) strafbar gemacht haben, ebenso wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Soweit eine Haftpflichtversicherung des Veranstalters besteht, würde diese wohl den Schaden (Einsatzkosten Rettungskräfte, Krankenhausaufenthalt des Mädchens usw.) erstatten, sich aber vermutlich diese Kosten bei den Betreuern wiederholen können, wenn man ihnen eine schuldhafte Aufsichtspflichtverletzung nachweisen kann.

Wenn es sich aber als wahr herausstellt, dass die Jugendlichen ohne Taschenlampen und mit ungeeigneter Kleidung nachts losgeschickt wurden, so liegt eine zumindest fahrlässige Pflichtverletzung auf der Hand.

Daran würde sich wohl auch dann nichts ändern, wenn die Betreuer den Jugendlichen ein Handy mitgegeben hätten: Denn dann hätten Sie damit rechnen müssen, dass das Handy im Wald keinen Empfang hat und dies zuvor prüfen müssen.