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aus dem Eventrecht

Jamiroquai-Konzert wegen Todesfall abgesagt

Von Thomas Waetke 25. März 2011

Ein gestern geplantes Konzert der UK-Band Jamiroquai im französischen Lyon ist abgesagt worden, nachdem bei Aufbauarbeiten ein Techniker aus dem Bühnendach abgestürzt und tödlich verunglückt war.

Die Band hatte daraufhin das Konzert abgesagt, die Tour wird aber fortgesetzt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Bei einem Todesfall ermittelt stets die Polizei zunächst gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung, sofern nicht offenkundig ein Freitod vorliegt. Im Regelfall sperrt die Polizei bzw. die Staatsanwaltschaft dazu auch die Baustelle, damit mögliche Beweise nicht verändert werden. Das bedeutet dann in der Praxis, dass der Aufbau nicht fortgesetzt werden kann.

Ein paar Stichpunkte aus rechtlicher Sicht dazu:

  • Ein Arbeitsunfall ist unverzüglich der Berufsgenossenschaft zu melden. Bei einem Todesfall geschieht dies regelmäßig direkt über die Rettungsdienste, dennoch sollte der Arbeitgeber umgehend Kontakt mit der Berufsgenossenschaft bzw. der Unfallversicherung aufnehmen.
  • Soweit der Verunfallte ein Freier Mitarbeiter ist, handelt es sich zwar nicht um einen „Arbeitsunfall“. Im Anwendungsbereich der Baustellenverordnung aber werden auch Freie in die Arbeitsschutzthematik einbezogen (siehe § 6 BaustellVO). Naturgemäß kann sich der vermeintliche Freie bei genauerer Prüfung (die spätestens beim Todesfall stattfindet) als Scheinselbständiger und damit als Arbeitnehmer entpuppen.
  • Arbeitsschutzrechtlich, aber auch aus moralischen Verpflichtungen heraus muss der Arbeitgeber/Auftraggeber dafür sorgen, dass die anderen Beschäftigten nach einem Unfall betreut werden. So stehen bspw. die Kriseninterventionsteams der Rettungsdienste bereit, die beratend und auch tröstend zur Seite stehen. Dies macht auch Sinn, da ein Schock eines anderen Beschäftigten (z.B. da er den Verunfallten kannte oder den Absturz gesehen hat) zu einem weiteren vermeidbaren Unfall führen kann, und Fachleute wie die Mitglieder eines KIT´s solche Probleme eher erkennen können als der medizinische Laie bzw. der Auftraggeber, der plötzlich seine gesamte Veranstaltung gefährdet sieht.
  • Vertragsrechtlich kann der Veranstalter seine vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllen, so dass bspw. der Besucher sein bereits bezahltes Eintrittsgeld verlangen könnte. Der Besucher muss sich auch nicht auf einen anderen Termin verströsten lassen (freiwillig kann er das natürlich, er kann aber auch auf der Rückerstattung bestehen). Ob die Band vom Veranstalter die vereinbarte Gage verlangen könnte, hängt hier im konkreten Fall aber auch von den konkreten Umständen ab.