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aus dem Eventrecht

Italien: Tod während Ausflug auf makabre Weise

Von Thomas Waetke 24. April 2014

Im italienischen Brescia ist ein 20-jähriger Teilnehmer einer Reisegruppe von herabstürzenden Teilen einer 30 Meter hohen Skulptur an einem Holzkreuz getötet worden, als er mit seiner Reisegruppe das Monument zu Ehren Papst Johannes Paul II. besichtigt hatte.

An dem vorne über gebogenen Holzkreuz war eine 600 kg schwere Skulptur befestigt, die an den Besuch des Papstes 2005 in Brescia erinnern sollte. Die genaue Ursache des Unfalls ist unklar.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Würde man diesen schrecklichen Unfall nun rechtlich betrachten, was fast immer der Fall ist, weil auch bei einem Todesfall Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche entstehen können, könnte sich folgende Situation ergeben:

Letztlich sind mögliche Anspruchsinhaber die Angehörigen. Diese könnten Ansprüche geltend machen bspw. gegen den Veranstalter der Reise.

By the way: Im Bereich der Reise wird oft übersehen, dass auch Vereine Reiseveranstalter im Sinne des Reiserechts sein können: Bietet der Wander- oder Sportverein bspw. eine Skifreizeit an, bei dem die Fahrt, die Unterkunft und/oder das Programm vor Ort umfasst sind, dann ist er auch dann Reiseveranstalter, wenn er nicht gewerblich Reisen anbietet.

Der Reiseveranstalter ist verkehrssicherungspflichtig ähnlich dem Veranstalter bspw. eines Musikkonzertes. So muss der Reiseveranstalter prüfen, ob die Reisebestandteile eine Gefahr für die Reisenden in sich bergen, ob seine Gehilfen (Hotel, Shuttle, Tour-Guides vor Ort usw.) geeignet sind usw. Wählt er dabei bspw. ein Hotel, das den erwartenden Sicherheitsstandards nicht gerecht wird und selbst Verkehrssicherungspflichten verletzt, dann haftet der Reiseveranstalter gegenüber dem Reisenden dafür.

By the way Nr 2: Dabei stellt sich dann die interessante Frage, nach welchem Recht sich die Verkehrssicherungspflicht richtet, wenn das Hotel im Ausland ist, der Reiseveranstalter und Reisende aber aus Deutschland kommen.

Dem hiesigen Reiseveranstalter wird man aber schwerlich zum Vorwurf machen können, für den teilweisen Absturz der Skulptur an dem Holzkreuz verantwortlich zu sein.

Wenn überhaupt, könnte aber die die Skulptur aufstellende Baufirma bzw. der Betreiber des Parks verantwortlich sein, wenn die Skulptur nicht fachgerecht aufgehängt bzw. gesichert oder das Kreuz nicht ausreichend tragfähig für die 600 kg gewesen wären.

Würde man mal fiktiv unterstellen, dass der Parkbetreiber beim Aufstellen des Kreuzes einen fahrlässigen Fehler gemacht hat, dann könnte es aber durchaus noch eine Verantwortlichkeit des Reiseveranstalters geben: Nämlich dann, wenn der Ausflug zu dem Kreuz Bestandteil der Reise war und mithin der Parkbetreiber als so genannter Erfüllungsgehilfe (zum Begriff siehe hier) des Reiseveranstalters angesehen werden könnte (das würde aber nur funktionieren nach deutschem Recht, d.h. der Reisende und Reiseveranstalter müssten aus Deutschland kommen). Dafür wäre aber maßgeblich, wo genau sich das Kreuz befunden hatte. Es macht einen Unterschied, ob das Kreuz in einem abgegrenzten und mit Eintritt zugänglichen Park befunden hätte (dann wäre eine Haftung des Reiseveranstalter eher zu bejahen) oder frei zugänglich im öffentlichen Verkehrsraum stand.