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Ischgl: Betroffene verklagen Österreich

Ischgl: Betroffene verklagen Österreich

Von Thomas Waetke 25. September 2020

Die ersten 4 Kläger haben Schadenersatzklagen gegen die österreichische Bundesregierung und die Tiroler Landesregierung eingereicht. Anlass sind die aus ihrer Sicht verspäteten Maßnahmen zum Schutz vor Corona im Skiort Ischgl.

Mehr als 6.000 Ischgl-Urlauber aus 45 Staaten haben sich beim österreichischen Verbraucherschutzverein gemeldet, der die Klagen koordiniert. Bisher haben sich davon 1.000 Personen bereit erklärt, Klagen zu erheben. Je nach Einzelfall geht es um Schadenersatzforderungen bis 100.000 Euro.

Den Behörden wird vorgeworfen, viel zu spät auf Warnungen aus verschiedenen Ländern reagiert zu haben, in die erkrankte Touristen zurückgekehrt waren. Der Skiort Ischgl mit den bekannten Aprés-Ski-Partys wird als einer der größten Superspreader-Events für die Ausweitung in Europa gesehen.

Hintergrundinfo
Das österreichische Recht ist dem deutschen Recht sehr ähnlich. Es wird wohl nicht sehr einfach sein, die für eine Amtshaftung notwendigen Voraussetzungen zu beweisen. Denn „langsam“ heißt ja nicht automatisch „absichtlich“ oder „fahrlässig“. Immerhin können die Kläger – was außergewöhnlich ist – auf den Wissenschaft von ca. 6.000 Betroffenen zurückgreifen, was die Beweisführung womöglich erleichtern wird. Allerdings wäre ich überrascht, wenn die Klagen letztendlich erfolgreich sein würden.

Österreich hat heute ein Ende der bisherigen Form des Aprés-Ski in der kommenden Wintersaison angekündigt. Die Ansteckungsgefahr sei schlicht zu hoch: „Für alle Wintersport-Fans gilt daher klar: Skivergnügen ja, aber ohne Aprés-Ski“, so der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz.

 

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