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aus dem Eventrecht

Ich kann es nicht mehr hören: die hohe Verantwortung

Von Thomas Waetke 3. Dezember 2014

Das Streikrecht sei jedem unbenommen, der meint, Ansprüche durchsetzen zu wollen. Aber kann ein Streik seriös mit der Last der Verantwortung begründet werden?

Vor kurzer Zeit begannen die Streiks der Lokführer. Eines der Argumente, mit denen man höheren Lohn und geringere Arbeitszeiten durchsetzen wollte, war die Höhe Verantwortung für hunderte Passagiere. Nun fangen auch wieder die Piloten an zu streiken. Und auch hier wieder: die hohe Verantwortung soll für einen frühen Rentenalterseintritt herhalten.

Die Verantwortung von Lokführer und Pilot möchte ich nicht abstreiten. Aber hat nicht auch die Hebamme  eine solche Verantwortung? Oder der Lebensmittelproduzent?

Bei einer Veranstaltung haben aber auch ein Veranstalter, der Techniker, der Ordnungsdienstmitarbeiter, der Caterer, der Zeltbauer oder der Berater eine hohe Verantwortung.

in der Veranstaltungsbranche bin ich mir manchmal nicht so sicher, ob sich die Beteiligten ihrer Verantwortung bewusst sind. Nicht selten stelle ich fest, dass die fröhliche Party im Vordergrund steht, und die damit einhergehende Verantwortung entweder nicht gesehen, oder gar verdrängt wird – Verantwortung und Fröhlichkeit scheinen nicht die besten Freunde zu sein.

Das sehe ich besonders oft bei Vereinsvorständen: dort scheint vorrangig die schöne, kostengünstige Veranstaltung zu sein, und man scheut sich davor, in das Thema Absicherung und Sicherheit zu investieren. Dabei blenden die Vereinsverantwortlichen dann aber oft auch ihre ganz persönliche Verantwortung aus. Und: würde im Schadensfall der Verein sagen: Ach, er hat sich um jene billige Veranstaltung bemüht, da wollen wir mal nicht so streng sein und zählen den Schaden selbst?

Tatsache ist aber, dass viele Beteiligte einer Veranstaltung auch eine hohe Verantwortung tragen. Übrigens: die hohe Verantwortung kann und sollte man sich auch bezahlen lassen.

Übrigens Nr 2: eine geringe Bezahlung kann durchaus Auswirkungen auf die Haftung haben. Bezahlt der Auftraggeber dem Auftragnehmer wenig, so kann sich im Einzelfall auch der Leistungsumfang des Auftragnehmers reduzieren. Dies gilt meist dann, wenn vertraglich die Leistungen nicht ausdrücklich festgelegt sind. Dann kann eine geringe Vergütung ein Indiz dafür sein, dass der Auftragnehmer doch nicht alles leisten muss, was der Auftraggeber gerne hätte.