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aus dem Eventrecht

Hui, wo kommen die denn alle her?

Von Thomas Waetke 22. April 2013

Wenn plötzlich mehr Besucher vor der Tür stehen und in die Veranstaltung drängen wie erwartet oder erhofft, muss der Veranstalter reagieren. Die Frage stellt sich dann (meist hinterher), ob er sich auf den Ansturm hätte vorbereiten können – und müssen.

Jüngst hat dieses Phänomen der BVB Dortmund erlebt: Beim Kartenvorverkauf für das Champions-League-Halbfinale hat es einen solch großen Ansturm gegeben, dass die Polizei hatte eingreifen müssen.

Natürlich können Fehler passieren bzw. natürlich kann man eine Situation falsch einschätzen. Spätestens dann, wenn sich das als falsch oder ungeschickt oder gefährlich herausstellt, muss beim nächsten Mal aber darauf reagiert werden: Denn dann kann man nicht mehr sagen, man habe damit gar nicht gerechnet. Dies spielt insbesondere im Strafrecht eine Rolle: Hier geht es um die persönliche Vorwerfbarkeit; an dieser kann es fehlen, wenn man bisher keinerlei schlechten Erfahrungen gemacht hat.

Zurück zur Eingangsfrage: Muss der Veranstalter mit großem Andrang rechnen? Oder besser: Muss er sicherheitshalber Vorkehrungen treffen?

Das ist natürlich eine Frage des Einzelfalls. Nicht immer lässt sich ein großer Ansturm erwarten.

Aber: Der Veranstalter wäre zumindest gehalten, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, wie er reagiert, wenn der Ansturm doch größer wird als erwartet. Wenn er erst anfängt, zu überlegen, wenn es voll ist, dann kann es zu spät sein.

Dies betrifft auch Vereinsfeiern, Stadtfeste usw.: Auch hier kann es unerwartet voll werden, bspw. bei schönem Wetter, Ausfall von parallel stattfindenden Veranstaltungen usw. Auch können Werbemaßnahmen bspw. über Facebook dazu führen, dass mehr Besucher auf die Veranstaltung aufmerksam werden als gedacht.

Dies könnten denkbare Kriterien sein, die zu einem großen Andrang führen können:

  • Massive Werbung über verschiedene Kanäle (Flyer, Plakate, Anzeigen, Radio, TV, Social Media usw.)
  • Einsatz von „Schneeballsystemen“ oder schneeballsystemartigen Werbemaß- nahmen
  • Ankündigung von prominenten Personen
  • Aufbauschen in der Presse
  • Einmaliges Angebot
  • Wetterlage
  • Erreichbarkeit der Location
  • Zeitliche Lage (Feiertag, Wochenende)
  • Fehlen von Parallelveranstaltungen
  • Eigene Erfahrungen aus der Vergangenheit
  • (bekannte) Erfahrungen der Mitbewerber mit ähnlichen Veranstaltungen.

Zumindest im Rahmen des Erforderlichen und (vor allem) des Zumutbaren hat der Veranstalter Vorkehrungen zu treffen, um nicht vom Andrang überrascht zu werden. Je mehr sich ein Ansturm aufdrängt, desto mehr muss er im Vorfeld tun.

Eine „Beobachtungspflicht“ bspw. von Facebook (wird dort zum Besuch aufgerufen oder eingeladen?) dürfte es m.E. nur bei Vorliegen besonderer Anhaltspunkte dafür geben; alles andere würde den Veranstalter ja überfordern, wenn er alle denkbaren Internetforen regelmäßig darauf überprüfen müsste, ob hier zusätzlich zu seinen Werbemaßnahmen zum Besuch aufgerufen oder eingeladen wird. Außerdem: Nur, weil jemand auf Facebook zur Veranstaltung einlädt, bedeutet das nicht automatisch, dass auch erheblich mehr Besucher kommen. Dies gilt auch, wenn sich bei Facebook x Besucher über einen Klick „ich nehme teil“ ankündigen.

Ein Beispiel: Bei einer Schaumparty in einem Freibad in Karlsruhe kamen bisher ca. 1.200 Besucher. Auf Facebook wollte ein Unbekannter die Party promoten, und es kündigten sich ca. 2.500 Besucher an. Der Veranstalter und Polizei reagierten: Es wurden zusätzliche Kassen aufgebaut, zusätzliche Ordner engagiert, die Polizei war mit einer Reiterstaffel und zusätzlichen Kräften vor Ort. Tatsächlich lag die Besucherzahl dann nur knapp über den Zahlen der Vorjahre, die Maßnahmen waren also insoweit „umsonst“.