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aus dem Eventrecht

Honorar eines Opern-Regisseurs unterliegt Regelbesteuerung

Von Thomas Waetke 29. Juni 2011

Das Honorar für einen Regisseur, der für eine Oper eine Inszenierung schreibt, unterliegt dem normalen Steuersatz; dies hat der Bundesfinanzhof entschieden.

Im Streitfall hatte ein Regisseur gegen eine Entscheidung seines Finanzamtes geklagt, da er der Auffassung war, dass seine Leistung umsatzsteuerbefreit sei – ähnlich den „Umsätzen der Theater, Orchester und der weiteren in dieser Vorschrift genannten Einrichtungen des Bundes, der Länder, der Gemeinden oder der Gemeindeverbände“ (siehe § 4 Nr. 20 a UStG).

Zuvor hatte die zuständige Landesbehörde dem Regisseur noch bescheinigt, dass er die gleichen kulturellen Aufgaben wie die in § 4 Nr. 20 a Satz 1 UStG genannten Einrichtungen erfülle.

Dies alles hatte den Bundesfinanzhof kalt gelassen.

Eine Bindungswirkung entfaltet die Bescheinigung der Landesbehörde lediglich insoweit, als in ihr festgestellt wird, dass die Leistungen des Regisseurs den gleichen kulturellen Stellenwert hätten wie die Leistungen der Theater usw.

Dennoch könne allein eine Finanzbehörde bzw. ein Finanzgericht entscheiden, ob der Regisseur eine Einrichtung betreibt, die einer Einrichtung nach § 4 Nr. 20 a Satz 1 UStG gleichartig ist.

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass der Regisseur – trotz Bescheinigung – nicht als gleichartige Einrichtung im Sinne des § 4 Nr. 20 a Satz 2 UStG angesehen werden kann.

Der Kläger erbrachte mit der Regie eine Leistung, die Bedingung für Theater im Sinne des § 4 Nr. 20 a UStG ist, weil hierdurch das künstlerische Gesamtkonzept der Aufführung erstellt und die Tätigkeit der verschiedenen Mitwirkenden koordiniert wird. Zwar mag es zutreffen, dass ein Regisseur während jeder Vorstellung durch die sich auf der Bühne befindenden Künstler wirkt und hierdurch der Vorstellung sein Gepräge gibt. Das Wirken der Akteure auf der Bühne in der Inszenierung des Klägers ist diesem jedoch nicht derart als eigene Leistung zuzurechnen, dass er hierdurch als eine dem Theater einer Gebietskörperschaft gleichartige Einrichtung angesehen werden kann, so der Bundesfinanzhof.

Damit ist das Honorar mit 19 % Umsatzsteuer zu versteuern.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Für den vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmer ist die Frage, ob seine Leistung besteuert wird oder nicht, grundsätzlich egal, da er die Umsatzsteuer im Wege des Vorsteuerabzuges „wieder bekommt“.

Aber: Wenn er im Vorfeld nicht weiß bzw. darauf achtet, ob seine Leistung umsatzsbesteuert wird (oder in welcher Höhe), kann er ein Problem bekommen. Im oben genannten Fall muss der Regisseur 19 % seines Honorars an das Finanzamt abführen. Hätte er von vornherein die 19% zusätzlich zum Netto-Honorar vom Auftraggeber erhalten, wäre es unproblematisch: Er führt den Umsatzsteuerbetrag ab, den er ja vom Auftraggeber erhalten hat.

Wenn er aber vom Auftraggeber die Umsatzsteuer nicht bezahlt bekommen hat, z.B. da er davon ausging, dass er umsatzsteuerbefreit sei und die Umsatzsteuer auch nicht in der Rechnung ausgewiesen hat, fehlen dem Regisseur jetzt die 19 % Umsatzsteuer. Er muss sie nun von seinem Netto-Honorar abziehen, und verringert somit seine Einnahmen um 19%.

Blöd wird es, wenn der Auftraggeber die 19% nun nicht freiwillig „nachbezahlt“: Die Forderung könnte bereits verjährt sein, dann hätte der Regisseur nicht einmal mehr einen Zahlungsanspruch; den Auftraggeber kann es zwischenzeitlich nicht mehr geben, da er insolvent geworden ist; oder der Auftraggeber weigert sich zu zahlen, da dies nicht vereinbart war.

Es liegt auf der Hand, dass es Sinn macht, sich im Vorfeld ausreichend Gedanken zu machen, welche Leistungen wie zu versteuern sind.

Dies betrifft bspw. auch das Eintrittsgeld:

Auch hier muss im Vorfeld klar sein, ob der Veranstalter die Eintrittsgelder mit 19 %, 7 % oder gar nicht zu versteuern hat. Denn vom Besucher kann er hinterher nicht mehr verlangen.

Ginge der Veranstalter bspw. davon aus, dass er seine Einnahmen aus den Entrittsgeldern mit nur 7 % Umsatzsteuer belegen müsste (siehe bspw. § 12 Abs. 2 Nr. 7 a UStG), und fordert das Finanzamt später berechtigterweise später den Regelsteuersatz von 19 %, fehlen dem Veranstalter 12 % Umsatzsteuer, die er dann von den Netto-Erlösen abziehen muss. Seine Kalkulation verschiebt sich dann zu seinen Ungunsten um 12 %…