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81/17 Hohes Honorar ist Indiz gegen Scheinselbständigkeit

81/17 Hohes Honorar ist Indiz gegen Scheinselbständigkeit

by 3. April 2017

Die Scheinselbständigkeit geistert durch alle Branchen, auch durch die Veranstaltungsbranche. Da die Rechtsfolgen so dramatisch sind, kann es für ein Unternehmen überlebenswichtig sein, hier vorsichtig zu agieren.

Was bedeutet Scheinselbständigkeit?

Das Unternehmen möchte keinen festen Arbeitnehmer, sondern will bei Bedarf auf externe Kräfte zurückgreifen können. Das erspart laufende Sozialversicherungsaufwendungen usw. auch dann, wenn man gerade nichts zu tun hat für den Mitarbeiter. Also kann es billiger sein, Aufträge an externe Freie Mitarbeiter zu geben.

Je nach Konstellation kann es aber sein, dass der Freie Mitarbeiter bei genauem Hinsehen eigentlich ein Arbeitnehmer ist: Ist der Freie Mitarbeiter bspw. weisungsabhängig, dann ist er auch nicht mehr frei – sondern eben zum Schein selbständig = scheinselbständig. Er gilt dann als Arbeitnehmer. Die Folgen können übrigens sein: Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen, Rückzahlung der zu Unrecht erhaltenen Vorsteuer, Nachzahlung der zu Unrecht nicht bezahlten Lohnsteuer, Zinsen, Säumniszuschläge, Urlaubsabgeltungen, Gehaltszahlungen usw.

Die Abgrenzung zwischen einem Freien Mitarbeiter einerseits und dem Arbeitnehmer andererseits fällt oft nicht leicht. Das Bundessozialgericht hat nun über den Einsatz einer Honorarkraft bei einem Erziehungspädagogen entschieden und dort alte Kriterien wiederholt, aber auch ein deutliches neues Signal gesetzt.

Die “alten” Kriterien:

  • Der Freie Mitarbeiter kann weitgehend weisungsfrei arbeite.
  • Der Freie Mitarbeiter ist nicht in die Arbeitsorganisation des Auftraggebers eingegliedert.
  • Die Verträge werden so, wie sie schriftlich vereinbart sind (also keine Weisungen, keine Eingliederung in die Arbeitsorganisation), auch in der Praxis durchgeführt, also “gelebt”.

Die Höhe des Honorars

Das Bundessozialgericht stellte aber einen Aspekt als besonders wichtig heraus:

  • Das vereinbarte Honorar liegt deutlich über dem Arbeitsentgelt eines vergleichbar eingesetzten sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmers, und lasse dadurch eine Eigenvorsorge zu.

Anders ausgedrückt: Je billiger der Freelancer bezahlt wird, desto höher steigt das Risiko für den Vorwurf einer Scheinselbständigkeit.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Geldscheine in die Hand legen: © zest_marina - Fotolia.com