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aus dem Eventrecht

Herzversagen beim Berlin-Halbmarathon

Von Thomas Waetke 17. April 2013

Beim 33. Berliner Halbmarathon ist am vorvergangenen Wochenende ein Teilnehmer gestorben. Der 24-Jährige brach kurz vor dem Ziel zusammen, konnte noch von Rettungskräften reanimiert werden, verstarb dann aber kurz darauf im Krankenhaus.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Aus rein rechtlicher Sicht kann man dem Veranstalter von Sportveranstaltungen grundsätzlich keine Schuld geben, wenn ein Teilnehmer aus eigenen gesundheitlichen Gründen verletzt wird oder zu Tode kommt. Der Veranstalter ist nur in besonderen Fällen verpflichtet, den Teilnehmer vorher auf seine Gesundheit untersuchen zu lassen: Müsste er dies immer tun, würde das den Veranstalter schlicht überfordern und wäre zuviel verlangt. Im Rahmen seines Lebensrisikos ist jeder Sportler erst einmal selbst für sich verantwortlich.

Anders kann das sein bei Kindern oder Jugendlichen; hier müsste der Veranstalter zumindest durch die Vorgabe von Arztuntersuchungen verhindern, dass ein Kind teilnimmt, für dass die Teilnahme ein gesundheitliches Risiko darstellt. Hier schreiben oftmals auch die Sportverbände eine Untersuchung vor den Wettkämpfen vor.

Der Veranstalter von Sportveranstaltungen muss aber vor den besonderen Gefahren seiner Veranstaltung warnen:

  • Je weniger diese Gefahren für den Teilnehmer ersichtlich sind bzw.
  • je weniger er sie unschwer umgehen kann,

desto mehr muss der Veranstalter diese Gefahren verhindern.

Ein Beispiel: Führt die Laufstrecke durch den Wald, muss der Veranstalter nicht vor potentiellen Kollisionen mit Bäumen warnen; jedem Teilnehmer ist bekannt, dass im Wald Bäume herumstehen. Führt die Laufstrecke aber plötzlich um eine Kurve, hinter der sich der Laufweg von ursprünglich 5 Metern auf 1 Meter verjüngt und geht es rechts einen steilen Hang herunter, dann ist diese Gefahr für den Läufer nicht ersichtlich und kaum beherrschbar: Hier muss der Veranstalter also tätig werden.

In solch einem Fall wäre es sogar fraglich, ob ein einfacher Hinweis in einem Briefing ausreichend wäre: Je krasser die Auswirkungen sein können (hier: Absturz den Hang hinunter), desto mehr muss der Veranstalter tun, bspw. durch stabile Geländer oder gar durch Verlegung der Strecke.