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aus dem Eventrecht

Hardcore-Musiker schlägt Fan nieder

Von Thomas Waetke 14. April 2011

Bei einem Konzert der Band „Trapped Under Ice“ in Essen Ende März hat ein Besucher eine Stagedive gewagt… dumm nur, dass er dabei den Bandsänger getroffen hatte, denn der verstand das offenbar als Aufforderung zu einer gediegenen Prügelei.

Der Sänger und Mitglieder der Crew schlugen auf den Besucher ein, der Besucher erlitt dabei u.a. einen Kieferbruch.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Bei allem goodwill, von Notwehr kann man hier sicherlich nicht sprechen, insbesondere da der Sänger und Crewmitglieder ja immer weiter auf den Besucher eingeschlagen hatten. Es handelt sich hier ganz klar um eine (ggf. sogar schon vorsätzliche) Körperverletzung. Wahrscheinlich dürfte es sich sogar um eine gefährliche Körperverletzung handeln (siehe § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB), wenn man unterstellt, dass Sänger und Crewmitglieder bewusst gemeinsam den Fan niedergeschlagen haben. Das hat nicht nur zur Folge, dass der Strafrahmen deutlich höher ist, sondern auch, dass die Staatsanwaltschaft von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren einleiten würde (danke für den Hinweis eines Lesers darauf).

Viele Veranstalter verbieten das Stagediving, da es immer wieder zu üblen Verletzungen führen kann. Das Landgericht Hechingen hatte sich 2002 mit einem Unfall zu befassen, bei dem ein Zuschauer von der Bühne gesprungen war und sich schwer verletzt hatte. Der Zuschauer nahm daraufhin den Veranstalter in Anspruch, da er das Stagediving hätte verhindern müssen.

Das sah das Landgericht anders: Zwar muss der Veranstalter das Erforderliche und Zumutbare unternehmen, um Schaden von seinen Besuchern fernzuhalten. Jedoch hat das Landgericht den Umstand berücksichtigt, dass der Besucher freiwillig auf die Bühne geklettert. „Bei einem 15-jährigen, das Gymnasium besuchenden Teilnehmer kann jedoch auf Grund seiner intellektuellen Fähigkeiten und seiner Entwicklung davon ausgegangen werden, dass er sich über das Verletzungsrisiko beim Stage-Diving bewusst ist“ so das Landgericht Hechingen.

Ähnlich auch zuvor das Oberlandesgericht Düsseldorf:
„Bei offensichtlichen Gefahren darf der Verkehrssicherungspflichtige allerdings in der Regel darauf vertrauen, dass sie auch Kindern und Jugendlichen nicht verborgen bleiben und diese sich ihnen aus einem natürlichen Angstgefühl heraus nicht bewusst aussetzen.

Andererseits muss der Verkehrssicherungspflichtige auch Maßnahmen treffen, um gerade Kinder und Jugendliche vor den Folgen ihrer Unerfahrenheit und Unbesonnenheit zu bewahren, wenn er diese Gefahr erkennen kann. Er ist dann auch verpflichtet, die Einhaltung dieser Vorsichtsmaßnahmen zu überwachen und durchzusetzen.“