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Handelt es sich bei einer SARS-CoV-2-Infektion um einen Arbeitsunfall?

Handelt es sich bei einer SARS-CoV-2-Infektion um einen Arbeitsunfall?

Von Thomas Waetke 15. Juli 2020

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) geht davon aus, dass es sich bei einer Infektion mit dem Corona-Virus (jedenfalls „im Regelfall“) nicht um einen Arbeitsunfall handele, da eine Infektion überall passieren könne. So schreibt die DGUV in ihren FAQ:

Nein. Aufgrund der dynamischen, weltweiten Entwicklung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwischenzeitlich COVID 19 zur Pandemie erklärt. COVID-19 stellt somit eine Allgemeingefahr dar.

Von einer Allgemeingefahr ist auszugehen, wenn in einem bestimmten Gebiet alle Menschen mehr oder minder gleich bedroht sind. Dies kann zum Beispiel durch eine Epidemie der Fall sein.

Es liegt dann kein Arbeitsunfall vor, wenn sich eine Gefahr verwirklicht, von der ein Versicherter sich zur selben Zeit und mit gleicher Schwere auch außerhalb seiner versicherten Tätigkeit betroffen gewesen wäre. Die Betroffenheit ergibt sich zufällig und unabhängig von der versicherten Tätigkeit.

Im Regelfall handelt es sich bei einer SARS-CoV-2-Infektion somit nicht um einen Arbeitsunfall.

Tatsächlich werden das auch die Gericht entscheiden müssen. Man denke hier mal an den Schlachtbetrieb im Kreis Gütersloh mit über 1.500 Infizierten: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Mitarbeiter im Betrieb angesteckt haben, dürfte hoch sein; und dass sie sich nicht gerade irgendwo im Freibad angesteckt haben, auch. Tatsächlich dürfte man davon ausgehen, dass es letztlich eine Frage der Beweisbarkeit ist: Wenn der Mitarbeiter beweisen kann, dass er sich am Arbeitsplatz infiziert hat, dann müsste es sich wohl auch um einen Arbeitsunfall handeln (u.a. mit der Folge, dass der umfangreiche Schutz aus der gesetzlichen Unfallversicherung greift). Allerdings dürfte es für den Mitarbeiter nicht leicht sein, diesen Nachweis zu führen: Dass er sich konkret am Arbeitsplatz angesteckt hat, und nicht anderswo.

 

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