Aktuelles

Urteile, Vorfälle, Kommentierungen...
135/18 Haftung des Veranstalters – Maskottchen rennt gegen Tor ?

135/18 Haftung des Veranstalters – Maskottchen rennt gegen Tor ?

by 28. Mai 2018

Bei einem sog. Maskottchen-Rennen hatte sich ein teilnehmendes Maskottchen verletzt: Alle Maskottchen rannten über das Spielfeld eines Eiskockeystadiums von Tor zu Tor. Eines der Maskottchen prallte dabei gegen das Zieltor, das nicht abgepolstert war und verletzte sich dabei. “Es”, also die daarunter steckende Person, klagte nun gegen den Veranstalter auf Schadenersatz wegen Verkehrssicherungspflichtverletzung.

Das Landgericht hatte die Klage abgewiesen.

Zunächst wiederholt das Landgericht die Grundsätze der Verkehrssicherung:

  • Derjenige, der eine Gefahrenlage schafft, ist grundsätzlich verpflichtet, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung anderer möglichst zu verhindern. Die rechtlich gebotene Verkehrssicherung umfasst diejenigen Maßnahmen, die ein umsichtiger und verständiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Mensch für notwendig und ausreichend hält, um andere vor Schäden zu bewahren.
  • Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass nicht jeder abstrakten Gefahr vorbeugend begegnet werden kann. Ein allgemeines Verbot, andere nicht zu gefährden, wäre utopisch. Eine Verkehrssicherung, die jede Schädigung ausschließt, ist im praktischen Leben nicht erreichbar.
  • Haftungsbegründend wird eine Gefahr erst dann, wenn sich für ein sachkundiges Urteil die nahe liegende Möglichkeit ergibt, dass Rechtsgüter anderer verletzt werden. Deshalb muss nicht für alle denkbaren Möglichkeiten eines Schadenseintritts Vorsorge getroffen werden. Es sind vielmehr nur die Vorkehrungen zu treffen, die geeignet sind, die Schädigung anderer tunlichst abzuwenden.
  • Der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt ist deshalb genügt, wenn im Ergebnis derjenige Sicherheitsgrad erreicht ist, den die in dem entsprechenden Bereich herrschende Verkehrsauffassung für erforderlich hält. Daher reicht es anerkanntermaßen aus, diejenigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die ein verständiger, umsichtiger, vorsichtiger und gewissenhafter Angehöriger der betroffenen Verkehrskreise für ausreichend halten darf, um andere Personen vor Schäden zu bewahren, und die ihm den Umständen nach zuzumuten sind.

Und in Bezug auf das Maskottchen-Rennen führte das Gericht aus:

  • Danach braucht der für eine Veranstaltung wie das Maskottchen-Rennen Verantwortliche zwar nicht allen denkbaren Gefahren vorzubeugen. Die Verkehrssicherungspflicht erfordert jedoch regelmäßig den Schutz vor Gefahren, die über das übliche Risiko einer solchen Veranstaltung hinausgehen, vom Teilnehmer nicht vorhersehbar und für ihn nicht ohne Weiteres erkennbar sind. Der Umfang der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen richtet sich dabei insbesondere danach, welcher Grad an Sicherheit von den Teilnehmern typischerweise erwartet werden kann.

Unabhängig davon, ob und ggf. wann die von dem Veranstalter gestellten Teilnahmebedingungen dem Verletzten zur Kenntnis gebracht wurden, hat er sich jedenfalls mit dem Antritt zum Maskottchen-Rennen – zumindest konkludent – damit einverstanden erklärt und ist freiwillig und auf eigenes Risiko die damit verbundenen, ohne Weiteres erkennbaren Verletzungsgefahren eingegangen.

Im Übrigen räumte er auch selbst ein, dass er ein gewisses Verletzungsrisiko erkannt und gleichwohl an dem Maskottchen-Rennen teilgenommen hat.

Selbst wenn damit keine Einwilligung im Rechtssinne verbunden war, stellt das Landgericht Köln fest, konnten der Verletzte und die weiteren Teilnehmer des Maskottchen-Rennens von dem Veranstalter keine Sicherheitsvorkehrungen erwarten, wie er sie nunmehr für erforderlich erachtet. Denn: Ebenso wie bei einem Straßenradrennen erstreckt sich die den Organisator einer solchen Veranstaltung gegenüber den Teilnehmern treffende Verkehrssicherungspflicht grundsätzlich nicht darauf, die Teilnehmer vor solchen Gefahren zu schützen, die mit ihrer Beteiligung typischerweise verbunden sind.

Heißt: Mit einem durch die Eigenart der Veranstaltung erhöhten Gefahrenniveau muss der Teilnehmer vielmehr rechnen; dieses Mehr an Gefahr nimmt er durch seine Beteiligung in Kauf.

Inhalt der Verkehrssicherungspflicht des Veranstalters gegenüber den Teilnehmern ist es deshalb in erster Linie, den ihnen etwa drohenden verdeckten und atypischen Gefahren zu begegnen. Da es einem Teilnehmer eines Rennens auf einer Eisfläche bewusst sein muss/ist, ausrutschen oder gegen die Tore stoßen zu können, handelt es sich dabei nicht um atypische Gefahren. Demnach verletzte der Veranstalter auch nicht seine Verkehrssicherungspflicht.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Maskottchen sitzt auf einer Tribüne: © jaredplatt - Fotolia.com