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Haftung beim Paartanzen: Ein Tanzkönig ist kein Experte

Haftung beim Paartanzen: Ein Tanzkönig ist kein Experte

Von Thomas Waetke 12. September 2017

Auf einer Geburtstagsfeier hatte sich eine Frau beim Paartanzen schwer verletzt und ihren Tanzpartner auf Schadenersatz verklagt: Er soll sie „wenig einfühlsam“ zum Tanzen „überredet“ haben. Sie habe ihm zwar noch erklärt, sie könne nicht tanzen und ihr sei das zu schnell, versuchte aber doch irgendwie mitzuhalten – bis sie eben ausrutschte und sich erheblich dabei verletzte. Das Oberlandesgericht Frankfurt wies nun die Klage der Frau gegen ihren Mittänzer ab: Die Risiken seien auch für die Frau hinreichend erkennbar gewesen. Sie hätte entweder deutlich machen müssen, dass sie nicht tanzen wolle oder schlicht aufhören müssen, sich zu bewegen, so das Gericht.

Da die Frau sich jedoch auf den Tanz eingelassen habe, habe sie mit den üblicherweise beim Paartanz zur Anwendung kommenden Tanzschritten und Drehungen der Tanzpartner rechnen müssen. Für diese Entscheidung und die damit verbundene Selbstgefährdung sei sie letztlich selbst verantwortlich, so das Gericht.

Tanzkönig ist kein Experte

Ihr Tanzpartner habe auch keine übergeordnete Verantwortung übernommen, etwa als „Experte“ im Paartanz. Allein, weil er sich selbst als „Tanzkönig“ bezeichnete und deutlich besser tanzen konnte als die verletzte Frau, führe dies nicht zu einer Übernahme von Verantwortung für die Frau, so das Oberlandesgericht Frankfurt weiter.

Tatsächlich kann eine Expertenrolle zu einer erhöhten Haftung führen: In dem Tanzpaar-Fall aber war die Eigenbezeichnung als „Tanzkönig“ ersichtlich nicht so ernst gemeint, dass er damit zugleich die Verantwortung für die Gesundheit seiner Tanzpartnerin übernommen wollte.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Zwei Tänzer mit Stiefeln: © Lorraine Swanson - Fotolia.com