Haftung als Auszubildender?

Die Verantwortung des Azubis
Haftung als Auszubildender?

Ist man auch als Auszubildender verantwortlich für Fehler? Besteht hier auch volle Haftung?

Ja, klar.

Man muss unterscheiden: Es gibt eine Haftung aus dem Zivilrecht und aus dem Strafrecht.

Das Strafrecht richtet sich dabei gegen die Personen selbst – also gegen die Handelnden und Unterlassenden. Dabei wird gefragt, ob man diesen Personen jeweils einzeln betrachtet einen persönlichen Vorwurf machen kann.

Im Zivilrecht geht es primär um Schadenersatz, also um die Geldforderung. Diese richtet sich dann zumeist gegen das Unternehmen, für das die handelnde oder unterlassene Person tätig ist/war. Auch im Zivilrecht geht es um die Frage, ob das Unternehmen bzw. der Mitarbeiter den Schaden verschuldet hat. Im Gegensatz zum Strafrecht, wo es aber um eine subjektive Vorwerfbarkeit geht, geht es im Zivilrecht viel objektiver zu: Es kann also durchaus sein, dass der Handelnde strafrechtlich nicht belangt wird, weil man ihm persönlich keinen Vorwurf machen kann – er (bzw. sein Unternehmen) aber zivilrechtlich Schadenersatz zahlen muss.

Zum Zivilrecht gehört auch das Arbeitsrecht: Sollte der Auszubildende von einem Geschädigten in Anspruch genommen werden, hat er grundsätzlich einen Freistellungsanspruch gegen seinen Ausbildungsbetrieb.

Der Ausbildungsbetrieb kann nach dem sog. Dreistufenmodell den Azubi in Regress nehmen:

  1. Würde sich herausstellen, dass der Azubi lediglich leicht fahrlässig gehandelt hat, so hätte der Arbeitgeber keinen Anspruch gegen ihn.
  2. Wenn er nur „mittelschwer“ fahrlässig gehandelt haben, so müsste der Azubi einen Prozentsatz X erstatten.
  3. Hätten er vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt, dann könnte der Arbeitgeber Schadenersatz in voller Höhe verlangen.

Natürlich wird das Gericht dabei auch bewerten,

  • ob der Azubi die notwendige geistige Reife und Erfahrung hatte,
  • ob der Azubi hatte erkennen können, in welche Gefahr er sich begibt und ob man ihm hätte zumuten können, auch mal „nein“ zu sagen.

Und der Arbeitgeber wird umso schwieriger einen Regressanspruch haben, umso mehr man ihm vorwerfen kann, dass er den Azubi „ins kalte Wasser geworfen“ hat.

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