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aus dem Eventrecht

Gierige Mediziner am Buffet

Von Thomas Waetke 23. Januar 2013

Bei einer Gala für Mediziner, die von der Universität in ihr Berufsleben verabschiedet wurden, kam es zum Eklat, nachdem das Essen knapp wurde.  Gäste der Veranstaltung berichteten gegenüber der WAZ, man habe über eine Stunde am Buffet anstehen müssen, die Vorspeisen seien dann bereits aus gewesen. Der Caterer hält dagegen: „Das war kein essen, das war fressen“, wir er zitiert. In 1.000 von ihm belieferten Veranstaltungen habe er derartiges noch nicht erlebt, zudem seien die Gäste „sehr ungehobelt“ aufgetreten.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Bei einer Veranstaltung mit Rechtsanwälten wäre das natürlich nicht passiert.  :lol: Die Juristen hätten den Caterer aber wohl mit Verweis auf ihre Grundrechte, zig Anspruchsgrundlagen aus noch mehr Gesetzen und Zitaten von Gerichtsurteilen zu Tode gequatscht.

Wie ist die Rechtslage, wenn ein Besucher Eintrittsgeld (bei der Abschiedsgala waren das immerhin 35 Euro) bezahlt, und das Buffet inklusive sein soll, dann aber zu wenig Essen da ist?

Derjenige, der etwas haben will, muss seinen Anspruch beweisen. Der Gast müsste also beweisen, dass der Veranstalter (vertreten durch den Caterer) nicht ausreichend Speisen vorgehalten hat.

Welche Mengen „ausreichend“ für eine Mediziner-Abschiedsgala ist, müsste notfalls ein Sachverständigengutachten klären.

Wenn sich dann herausstellt, dass der Veranstalter ausreichend Speisen vorgehalten hat, aber vom Ansturm bzw. vom „fressen“ doch überrascht wurde, wäre das eben Pech für den Gast. Er hätte dann keine Ansprüche gegen den Veranstalter.

Anders wäre das, wenn nachweislich nicht ausreichend Speisen vorhanden waren. Ob und welche Ansprüche der Gast nun hat, ist davon abhängig, welcher Vertragstyp vorliegt (Dienstvertrag, Werkvertrag, Kaufvertrag usw.). Vermutlich dürfte es sich bei der Abschiedsgala um einen Mischvertrag handeln, in dem es sowohl werkvertragliche Elemente als auch kaufvertragliche Elemente gibt.

Wenn man in Bezug auf das Essen das Kaufrecht anwendet (die Gäste habe ja dafür bezahlt), dann könnte der Gast bspw. mindern (siehe § 441 BGB): Da er aber schon alles bezahlt hat, müsste er vom Veranstalter einen entsprechenden Teil des Eintrittspreises zurückverlangen.

Ebenso denkbar ist, zu sagen, dass dem Veranstalter die Pflicht, dem Gast Speisen anzubieten, unmöglich war: Denn es war ja alles weg. Wird dem einen Vertragspartner aber seine Leistung (Buffet) unmöglich, dann muss auch der andere Vertragspartner (Gast) seine Leistung (Eintrittsgeld) nicht mehr erbringen. Dann müsste errechnet werden, welcher Anteil des Eintrittsgeldes auf das Buffet entfällt, und diesen Teil könnte der enttäuschte Gast dann wieder zurückverlangen.