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aus dem Eventrecht

Geld geklaut

Von Thomas Waetke 24. Januar 2011

Während einer Veranstaltung in Paderborn hat ein Unbekannter die Abendkasse entwendet, die sich auf dem Kassentisch befunden hatte. Dem Kassenpersonal und dem Sicherheitsdienst war dies erst aufgefallen, als ein neuer Besucher Eintritt zahlen wollte.

Offenbar hielten sich zum Tatzeitpunkt mindestens zwei Sicherheitsdienst-Mitarbeiter und zwei Mitarbeiter des Veranstalters als Kassierer im Eingangsbereich auf, in dem sich auch der Tisch befand. Im Nachhinein will natürlich keiner was gesehen oder bemerkt haben, jedenfalls ist Bargeld in Höhe von ca. 1.400,00 Euro abhanden gekommen. Der Veranstalter hat Strafanzeige gestellt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Ob die Polizei den Täter findet, ist zweifelhaft. Strafrechtlich wäre das natürlich ein Diebstahl, zivilrechtlich wäre der Dieb verpflichtet, das Geld zurückzuzahlen.

Fraglich ist aber auch, ob der Veranstalter einen Anspruch gegen den Sicherheitsdienst und/oder seine Mitarbeiter hat, da sie nicht aufgepasst haben.

1. Ansprüche gegen die eigenen Mitarbeiter

Im Arbeitsrecht kommt den Mitarbeitern das dreistufige Haftungsmodell zu Gute:

  1. Würde sich herausstellen, dass sie lediglich leicht fahrlässig gehandelt haben, so hätte ihr Arbeitgeber keinen Anspruch gegen sie.
  2. Wenn sie nur „mittelschwer“ fahrlässig gehandelt haben, so müssten die Mitarbeiter einen Prozentsatz X erstatten.
  3. Hätten Sie vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt, dann könnte der Arbeitgeber Schadenersatz in voller Höhe verlangen.

Dazu müssten aber noch die genauen Umstände aufgeklärt werden und auch, was genau die Aufgabe der Mitarbeiter war. Dabei geht es dann nicht darum, ob sie den Dieb hätten festhalten können, da der Mitarbeiter nicht verpflichtet ist, sich wegen etwas Bargeld in einem Kampf zu begeben. Allerdings haben die beiden offensichtlich ja gar nicht aufgepasst oder sich leicht ablenken lassen, die Kasse nicht abgeschlossen bzw. irgendwo angeschlossen/angebunden oder auch nicht für ordentliche Sichtverhältnisse geschaffen.

Allerdings:

Wenn ein Mitarbeiter mit Geld zu tun hat, muss der Arbeitgeber damit rechnen, dass er sich mal verzählt oder vertut. Fehlt nachher Geld, spricht man von der Mankohaftung:

Wenn der Mitarbeiter an der Abendkasse eingesetzt ist und nachher fehlt Geld in der Kasse. Der Arbeitgeber kann das Dreistufen-Modell nur verhindern, wenn er dem Mitarbeiter als Ausgleich ein Mankogeld bezahlt – verursacht der Mitarbeiter keinen Schaden (keinen Fehlbetrag), dann hat er also einen Zusatzverdienst. Verrechnet er sich aber mal beim Wechselgeld, so kann er den Schaden durch das erhaltene Mankogeld bestenfalls ausgleichen.

2. Ansprüche gegen den Sicherheitsdienst

Anders sieht es beim Sicherheitsdienst aus. Der Veranstalter hat mit dem Sicherheitsdienst regelmäßig einen Dienstvertrag geschlossen (§ 611 BGB).

Das Dienstvertragsrecht kennt insoweit aber keine Gewährleistung – die vereinbarte Vergütung kann der Veranstalter also nicht „mindern“.

Der Veranstalter könnte aber einen Schadenersatzanspruch haben (siehe § 280 Abs. 1 BGB). Dann…

  • müsste der Sicherheitsdienst (bzw. dessen Mitarbeiter) eine vertragliche Pflicht verletzt haben und
  • dies auch fahrlässig oder vorsätzlich.

Eine vertragliche Pflicht des Sicherheitsdienstes dürfte es wohl sein, dass er darauf aufpassen soll, dass die Kasse nicht verschwindet. Offenkundig haben sie nicht aufgepasst, es liegt also eine Pflichtverletzung vor.

Diese Pflichtverletzung müsste nun auch noch fahrlässig oder vorsätzlich erfolgt sein, hier käme allenfalls Fahrlässigkeit in Frage: Anders als oben bei der Arbeitnehmerhaftung reicht aber leichteste Fahrlässigkeit schon aus, damit der Sicherheitsdienst 100% des Schadens bezahlen müsste.

Bei der Frage des Verschuldens kommt es nun darauf an, ob es für die beiden Sicherheitsleute möglich und zumutbar war, den Diebstahl zu vermeiden. Hier spielen auch die vorgegebenen Umstände eine Rolle, auf die der Sicherheitsdienst vielleicht keinen Einfluss hatte.

Mal angenommen, ein Gericht würde hier Fahrlässigkeit bejahen: Dann hätte der Veranstalter einen Anspruch gegen den Sicherheitsdienst. Ob der Sicherheitsdienst dann seinerseits wiederum den Schaden von seinen Mitarbeitern ersetzt verlangen kann, misst sich wieder an dem Dreistufenhaftungsmodell aus dem Arbeitsrecht (siehe oben 1.).