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Gefährliche Handlungen sind zu unterlassen – kein Mitverschulden des Verletzten

Gefährliche Handlungen sind zu unterlassen – kein Mitverschulden des Verletzten

Von Thomas Waetke 6. Mai 2019

Wer eine außergewöhnlich gefährliche Handlung vornimmt, muss sie entweder vollständig unterlassen, oder sich vergewissern, dass Dritte nicht gefährdet sein können.

Ein Beispiel dazu findet sich in einem jüngeren Urteil des Landgerichts Dresdens; dort ging es darum, dass ein Mann bei einem Grillfest flüssigen Grillanzünder aus einer Plastikflasche auf den Grill gesprüht. Dadurch entstand eine Stichflamme, durch die eine in der Nähe stehende Frau getroffen wurde. Sie erlitt schwere Verbrennungen und wurde mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen.

Im Prozess forderte die Verletzte Schadenersatz und bekam vor dem Landgericht Recht.

Das Gericht ging davon aus, dass der Mann hätte wissen müssen, dass sein Handeln gefährlich ist: Einerseits fanden sich deutliche Warnhinweise auf der Flasche, andererseits seien diese Gefahren auch allgemein bekannt, da über solcherlei Unfälle immer wieder in den Medien berichtet werde, so das Gericht.

Auch konnte das Landgericht keinen Ansatzpunkt für ein Mitverschulden der verletzten Frau finden: Der Mann hatte im Prozess behauptet, alle umstehenden Personen aufgefordert zu haben, Abstand zum Grill zu halten, die Frau sei aber nicht schnell genug weg gegangen.

Von einem Mitverschulden spricht man, wenn der Geschädigte selbst fahrlässig – quasi gegen sich selbst – gehandelt hat, den Schaden zu verhindern oder so minimal wie möglich zu halten (siehe § 254 BGB).

Allein der Umstand, dass die verletzte Frau sich auf einen etwaigen Hinweis des Mannes nicht schnell und weit genug vom Grill entfernt hätte, genügt aber für ein solches Mitverschulden nicht, entschied das Landgericht: Denn es war ausschließlich Sache des Mannes, eine derart gefährliche Handlung grundsätzlich zu unterlassen. Wenn er dennoch meint, den Grillanzünder in der ungeeigneten Situation durch unsachgemäße Handhabung benutzen zu müssen, war es allein seine Pflicht, sich von einem hinreichend Sicherheitsabstand der in der Nähe befindlichen Personen zu vergewissern.

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  • Gerichtshammer in blauem Licht: © Paul Hill - Fotolia.com