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Gast von Türstehern totgeprügelt

Gast von Türstehern totgeprügelt

Von Thomas Waetke 27. April 2011

In der Nacht auf Ostermontag haben Security einer Frankfurter Diskothek einen Gast zusammengeschlagen und so schwer verletzt, dass das Opfer zwischenzeitlich in einer Klinik verstorben ist.

Der Grund für den brutalen Übergriff ist bisher unklar. Die Türsteher hatten aus noch unbekannten Gründen auf das Opfer eingeschlagen und vor der Tür „entsorgt“. Die von der Freundin des Opfers hinzugerufene Polizei hatte 5 Türsteher in Gewahrsam genommen, gegen 3 von ihnen wurde nun Haftbefehl erlassen.

Zunächst wird gegen die mutmaßlichen Täter mindestens wegen Körperverletzung mit Todesfolge (§ 227 StGB) bzw. sogar Totschlags (§ 212 StGB) ermittelt. In Frage kommt hier auch die gefährliche Körperverletzung (§ 224 Abs. 1 Nr. 4  StGB), wenn die Täter gemeinschaftlich vorgegangen sind. Ob noch weitere Straftatbestände in Betracht kommen, hängt von den Details ab, die nun ermittelt werden. Denkbar ist denn auch eine Straftat wegen Aussetzung (§ 221 Abs. 1 Nr. 1 StGB).

Zu prüfen ist auch, ob die Türsteher ggf. in Notwehr gehandelt haben (§ 32 StGB), da dann die Körperverletzung nicht rechtswidrig wäre. Allerdings darf eine Notwehr nicht eskalieren – wenn 5 Türsteher einen Gast zusammenfalten, riecht das danach, dass es die Türsteher übertrieben haben. Selbst wenn die Türsteher also mal anfangs in Notwehr gehandelt haben sollten, so haben sie sich wegen der Eskalation trotzdem strafbar gemacht.

Zur Erklärung:

Notwehr muss immer angemessen und erforderlich sein, sie muss das mildeste Mittel sein, darf aber auch das wirksamste von mehreren zur Verfügung stehenden Mitteln sein. Soll heißen:

Beispiel 1:

Ein Passant wird von einem 8-Jährigen mit einer Wasserspritzpistole bedroht, er soll Geld herausgeben, damit er sich einen Lutscher kaufen kann. In Rufweite steht eine Polizeihundertschaft mit Hunden, Schildern, Schlagstöcken und Wasserwerfern und langweilt sich, weil nichts los ist. Der Passant, ein trainierter Ausdauerläufer und ausgezeichneter Kampfsportler, trägt zufällig eine 9mm Heckler&Koch mit vollem Magazin bei sich.

Der Passant hat nun die Wahl: Die Polizisten durch Rufen auf sich aufmerksam machen und/oder zu ihnen hinzulaufen, oder den 8-Jährigen über den Haufen schießen. Was wohl richtig sein wird…?

Beispiel 2:

Derselbe Passant wird nachts von einer Gruppe Personen angegriffen. Es ist unklar, aus wie vielen Personen die Gruppe besteht, die Situation ist unübersichtlich.

Der Passant hat nun die Wahl: Er kann versuchen zu kämpfen oder zu schießen.

Hier darf er nun aus mehreren in Frage kommenden Mitteln das für ihn sicherste Mittel wählen, das aber zugleich möglichst mild in der Auswirkung sein sollte, auch wenn dies für den Angreifer das extremste ist. Wenn sich also der Passant nachvollziehbarerweise nur durch Schüsse auf die Angreifer retten kann, würde er immer noch im Rahmen der Notwehr handeln.

Zurück zum Eingangsfall mit den Türstehern:

Neben der strafrechtlichen Verfolgung der Täter könnte noch folgendes passieren:

  1. Die Angehörigen des Opfers könnten die angreifenden Türsteher auch zivilrechtlich zur Zahlung von Schmerzensgeld und Schadenersatz (z.B. Krankenhauskosten) in Anspruch nehmen (siehe § 823 BGB).
  2. Auch der Betreiber bzw. Auftraggeber der Türsteher müsste damit rechnen, dass er von den Angehörigen in Anspruch genommen wird: Er ist ja der Vertragspartner des verletzten Besuchers und muss sich das Verhalten seiner Gehilfen möglicherweise zurechnen lassen (siehe § 831 BGB).
  3. Berufsrechtlich könnte den Türstehern bzw. deren Arbeitgeber die Tätigkeit als Türsteher verboten werden. Wenn die Türsteher beim Diskothekenbetreiber direkt angestellt sind, könnte diesem sogar mangels „Zuverlässigkeit“, die das Gesetz vom Gastwirt fordert, der Entzug der Gaststättenkonzession drohen.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Security mit gelber Warnweste und Aufschrift „Security“: © Gooseman - Fotolia.com