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aus dem Eventrecht

Frühlingsfest: Verletzte bei Rundflug

Von Thomas Waetke 25. März 2012

Bei einem Hubschrauber-Rundflug beim Frühlingsfest in Gelsdorf (Rheinland-Pfalz) sind 7 Menschen verletzt worden, als der Hubschrauber aus geringer Höhe abstürzte und in ein Regenrückhaltebecken rutschte. Die Rundflüge wurden für Besucher des Fests angeboten, der Hubschrauber startete dazu auf einem Grünstreifen am Rand des Festgeländes.

Ursache des Absturzes soll möglicherweise ein Triebwerksschaden gewesen sein.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Bei einem solchen Unfall würde die rechtliche Konstellation wie folgt aussehen:

1.) Strafrecht

Die Staatsanwaltschaft könnte wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Piloten, den Eigentümer des Hubschraubers und ggf. den Veranstalter ermitteln.

2.) Zivilrecht

Die verletzten Personen bzw. deren Versicherungen könnten Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen, wie im Strafrecht auch vom Piloten, dem Eigentümer und den Veranstalter.

Dann müsste u.a. zunächst ein Verschulden bejaht werden können: D.h. die Beteiligten müssten fahrlässig oder vorsätzlich für den Absturz verantwortlich gemacht werden können. Dies könnte bspw. der Fall sein bei ungeeigneter Auswahl des Piloten durch den Veranstalter oder bei unterlassenen Inspektionen durch den Piloten.

Bei der Fahrlässigkeit gibt es im Zivilrecht einen bedeutenden Unterschied zum Strafrecht: Im Strafrecht steht immer die persönliche (= subjektive) Schuld im Mittelpunkt. Daher werden oftmals auch Täter freigesprochen oder milde bestraft, wenn sie selbst den Unfall gar nicht hatten verhindern können.

Im Zivilrecht geht es dagegen ausschließlich um Objektivität: Es wird also nicht gefragt, ob der Täter persönlich den Unfall hätte verhindern können (= so wie im Strafrecht), sondern ob „man“ den Unfall hätte verhinden können. Maßgeblich dafür ist der durchschnittlich sorgfältige und vernünftige Täter (vgl. dazu § 276 Abs. 2 BGB: „… die im Verkehr erforderliche Sorgfalt…“).

Im Strafrecht kann es also sein, dass ein sehr einfältiger und dummer Täter straflos bleibt, während er aber im Zivilrecht zum Schadenersatz verurteilt wird.

Wenn der Vertrag über den Rundflug zwischen dem Veranstalter und dem Besucher geschlossen wurde, haftet der Veranstalter für ein etwaiges Fehlverhalten des Piloten, da der dann ein so genannter Erfüllungsgehilfe des Veranstalter ist (siehe § 278 BGB). Weitere Informationen zur Haftung für Dritte finden Sie hier.