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Fotos auf großen Veranstaltungen: Information an die Besucher

Fotos auf großen Veranstaltungen: Information an die Besucher

by 17. September 2018

Das Gesicht bzw. erkennbare Merkmale eines Menschen sind personenbezogene Daten im Sinne des Datenschutzrechts.

Wenn ein Veranstalter oder Arbeitgeber einen Menschen fotografiert, dann erhebt er in diesem Moment also dessen Datum/Daten.

Aktuell stellt sich dabei die Frage, ob die Fotoaufnahmen unter die Datenschutz-Grundverordnung fallen. Lesen Sie dazu meine Beiträge:

Jedenfalls die Datenschutzaufsichtsbehörden scheinen sich mittlerweile darauf einzuschießen, dass die DSGVO doch anwendbar ist – zumindest in Bezug auf die Herstellung des Fotos. Wer auf Numme sicher gehen möchte, sollte sich also auch danach richten.

Allerdings stellt sich dann eine Vielzahl von derzeit ungelösten Fragen. Ich greife eine Frage davon heraus: Wie erteilt der Veranstalter die notwendigen Informationen an die Besucher?

Je größer die Menge der Personen, die fotografiert werden sollen, desto größer das Problem: Wie kann die Information an die Betroffenen erfolgen? Irgendwann wird es problematisch, von den Betroffenen Einwilligungen einzuholen.

Die Landesdatenschutzaufsicht Baden-Württemberg schlägt einen besonderen Weg dazu vor:

Fotos auf Großveranstaltungen = heimliche Aufnahmen

Das Fotografieren/Filmen auf Veranstaltungen mit einer unüberschaubaren Anzahl von Personen ist vergleichbar mit heimlichen Bildaufnahmen („Videoüberwachung“).

Daher erscheint es nach Ansicht der Baden-Württemberger gerechtfertigt, dass der Veranstalter mit einem Aushang bspw. an der Eingangstür informiert, soweit Informationen im Einzelfall aufgrun der Masse nicht zumutbar wäre, und stützt sich dabei auf Art. 14 Absatz 5 Buchstabe b DSGVO.

Das erscheint dann aber auch etwas konstruiert – offenbar haben auch die Datenschutzbehörden bemerkt, dass das Foto-Thema ein Problem ist, und suchen nach (vermeintlich) pragmatischen Lösungen.

Aber Achtung:

Natürlich mag das ein gangbarer Weg sein. Letztlich muss aber auch hier die Rechtsprechung entscheiden, wie es konkret funktioniert. Denn:

Wann ist eine Menschenmenge unüberschaubar?

Wann ist der Aufwand für die individuelle Erteilung der Informationen unmöglich oder unverhältnismäßig? (immer vor dem Hintergrund, dass es dem Veranstalter ja auch nicht zu leicht gemacht werden darf, wenn er sich damit zu leicht aus den Pflichten der DSGVO entziehen könnte)

Die Folge wäre, dass der Besucher u.a. auf sein Widerspruchsrecht nach Art. 21 DSGVO hingewiesen werden müsste, d.h. der Besucher der Großveranstaltung müsste sich selbst darum kümmern, wenn er nicht fotografiert werden möchte. Allerdings sieht Art. 21 DSGVO eine Abwägung vor:

Der Verantwortliche verarbeitet die personenbezogenen Daten nicht mehr, es sei denn, er kann zwingende schutzwürdige Gründe für die Verarbeitung nachweisen, die die Interessen, Rechte und Freiheiten der betroffenen Person überwiegen

Wäre in der Konsequenz zur „unüberschaubaren Menschenmenge“ dann nicht ein schutzwürdiger Grund für den Veranstalter, dass es ihm gar nicht möglich ist, diesen einzelnen Betroffenen aus der Masse herauszufiltern?

Und:

Was passiert mit dem Besucher, der ein Ticket kauft, kosten für die Anreise investiert, um dann erst vor Ort durch den Aushang zu erfahren, dass er fotografiert werden könnte – er das aber partout nicht möchte, und sich auch kein Ticket gekauft hätte, wenn er das vorher gewusst hätte?

Sie sehen: Es gibt viele offene Fragen.

Ich halte Sie hier auf dem Laufenden – bzw. ich versuche es ;-)

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Blurred crowd at a concert: © salajean - Fotolia.com