News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Festivalbesucher wird auf Autobahn überfahren

Von Thomas Waetke 28. August 2011

Ein Besucher des Punkfestivals „Ehrlich & Laut“ in Alsfeld (Hessen) ist frühmorgens kurz vor 6 Uhr auf der Autobahn A5 von einem Fahrzeug überfahren worden und an seinen Verletzungen noch am Unfallort verstorben.

Warum er sich auf der Autobahn aufhielt, war bisher nicht bekannt. Der Unfallort befindet sich ca. 300 Meter von dem Veranstaltungsgelände entfernt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke

Häufig stellt sich die Frage, wie weit der Verantwortungsbereich des Veranstalters für seine Besucher reicht. Hier hat der Verunfallte das Veranstaltungsgelände verlassen und befand sich verhältnismäßig offenkundig außerhalb des Verantwortungsbereichs des Veranstalters.

Problematisch könnte es allenfalls dann werden, wenn bspw.

  • direkt an das Veranstaltungsgelände eine Autobahn/Gleisanlagen/Straßen/Fluß grenzt und die Absperrungen zwischen Veranstaltungsgelände und Gefahrenstelle auch für einen betrunkenen ohne große Anstrengungen überwunden werden könnte bzw. die Gefahrenstelle gar nicht sonderlich ersichtlich ist.
  • die Wege von Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel oder von Parkplätzen an Gefahrenstellen vorbeigehen oder sie überqueren. In einem ähnlichen Fall wurden in der Nähe von Barcelona (Spanien) im vergangenen Jahr Besucher eines Festivals von einem Schnellzug überfahren, als sie vom Bahnhof aus eine Abkürzung über die Gleise nehmen wollten. Angeblich soll auch die über die Gleise führende Brücke gesperrt und ein Tunnel mit anderen Besuchern bereits verstopft gewesen sein. 13 Besucher wurden bei dem Unfall getötet, 17 zum Teil schwer verletzt.

In solchen Fällen könnte durchaus eine Verantwortlichkeit des Veranstalters in Betracht kommen, so dass die genaueren Details zu prüfen wären.

Jedenfalls hört die Verantwortung des Veranstalters nicht an der Türe bzw. an der Bordsteinkante auf, die Reichweite ist aber in jedem Einzelfall zu prüfen.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Der Rettungsweg im Freien, den wir noch fortsetzen.

Tipp von Rechtsanwalt Thomas Waetke

An dieser Stelle sei ein Hinweis bzgl. des Sicherheitskonzeptes erlaubt:

Im Falle einer Evakuierung von Versammlungsstätten in der Nähe von Straßen sollte überlegt werden, ob ggf. die Straße vom Ordnungsdienstpersonal gesperrt werden muss, damit die Besucher auf/über die Straße evakuiert werden können. Es ist schon vorgekommen, dass Besucher die zu einer Straße liegenden Notausgänge genutzt haben und dort auf der Straße von einem Fahrzeug überfahren wurden.

Gehört eine solche Maßnahme zum Sicherheitskonzept, muss das dort eingesetzte Personal aber auch über entsprechende Schutzkleidung (Warnkleidung, mit Taschenlampe usw.) verfügen, um nicht selbst gefährdet zu werden.