Aktuelles

Urteile, Vorfälle, Kommentierungen...
346/17 Fast 500 Millionen Überstunden

346/17 Fast 500 Millionen Überstunden

Von Thomas Waetke 19. Dezember 2017

Das Thema Arbeitszeit spielt eine große Rolle bei Veranstaltungen. Oft höre ich den Satz “Wir könnten Veranstaltungen gar nicht mehr machen, wenn wir uns an das Gesetz halten würden.”

Nun, das ist eine bezeichnende Einstellung… Überraschenderweise schaffen es andere Industriezweige und Branchen ja auch, dass mehrere Schichten gefahren werden. Letztlich ist das eine Frage der Einstellung – im wahrsten Sinne des Wortes: Im Zweifel muss das Unternehmen eben mehr Personal einstellen, und nicht auf dem Rücken des wenigen Personals alles abarbeiten lassen.

Es mag vielleicht mühsam sein, Veranstaltungen mit einem Schichtwechsel und Personalaustausch zu organisieren und durchzuführen – aber unmöglich ist das noch lange nicht.

Abgesehen davon, dass die maximal zulässigen Arbeitszeiten gesetzlich geregelt sind – und damit nicht zur Diskussion stehen – ist das Arbeitszeitgesetz ein wesentlicher Baustein der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten.

Mindestens 493 Millionen unbezahlte Überstunden

Beschäftigte in Deutschland haben in 2016 insgesamt 828 Millionen Überstunden geleistet. Davon wurden aber nur 335 Millionen extra bezahlt, d.h. 493 Millionen Überstunden sind unbezahlte Überstunden, teilt das Bundesarbeitsministerium mit. Durch die freiwillige Beantwortung der Frage nach den Überstunden ist von einer Untererfassung der Überstunden auszugehen, so das Ministerium. Tatsächlich hat bspw. das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei einer Umfrage unter 20.000 Beschäftigten immerhin 947 Millionen unbezahlte Überstunden ermittelt. Da jeder unter dem Begriff unbezahlte Überstunde etwas anderes verstehe, sei die Befragung auch schwierig, heißt es seitens des IAB.

Das sind Zahlen, die einem zu denken geben sollten.

Das gilt umso mehr, wenn in der Eventbranche immer mehr das Thema “Compliance” hochgehalten wird. Immer öfter lese ich in Verträgen, dass der Auftraggeber den Auftragnehmer verpflichten soll, sich an die auftraggeberseitigen Complianceregeln zu halten. Wenn sich darin dann die Vorgabe findet, dass Arbeitszeitregeln zu beachten sind, passiert Seltsames: Der Auftragnehmer bietet unter Beachtung des Arbeitszeitgesetzes, damit zumeist mit Schichtwechsel, seine Leistungen an. Der Auftraggeber lehnt das ab, weil er kein Personalwechsel während der Veranstaltung wünscht.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Engelsflügel: © GTL - Fotolia.com