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aus dem Eventrecht
Fachleute, die keine Fachleute sind

Fachleute, die keine Fachleute sind

Von Thomas Waetke 10. November 2015

Was wir alles schaffen können – das gilt jedenfalls nur rudimentär für den Neubau des Berliner Flughafens. Der soll war nun spätestens im Jahr 2518 eröffnen, aber nun gibt es einen neuen Skandal: Beauftragte Unternehmen haben offenbar Mitarbeiter als Brandschutz-Fachleute ausgegeben, obwohl die dafür erforderliche Fachkunde nicht vorhanden war.

Fachkunde, Sachkunde, Sachverständigenkunde, Erdkunde und Urkunde: Auch in der Veranstaltungsbranche gibt es eine Vielzahl von Titeln und Nachweisen, die man in bestimmten Funktionen benötigt. Oftmals darf man sich aber nennen, wie man will – und eine Überprüfung fällt schwer. Und: Nur weil jemand einen Titel hat, heißt das nicht automatisch, dass er tatsächlich über die erforderlichen Kompetenzen verfügt. Und nicht selten bläht sich ein Unternehmen größer auf, als es ist, um im Marketing Eindruck bei potentiellen Kunden zu machen.

Sorgfältige Auswahl

Für den Auftraggeber, der ein Fachunternehmen sucht, ist das durchaus ein Problem: Er ist nämlich verpflichtet, seinen Auftragnehmer sorgfältig auszuwählen. Dazu gehört, dass er sich ggf. über dessen Kompetenzen vergewissert, Bescheinigungen zeigen lässt, Referenzen abfragt usw.

Weit verbreitet ist, dass Auszubildende die Arbeit machen, das Unternehmen aber die ausgebildete Fachkraft abrechnet – das kann durchaus ein strafbarer Betrug sein, regelmäßig nämlich dann, wenn vertraglich die Fachkraft vereinbart war.

Meine Empfehlungen

Halten sie etwaige besondere Anforderungen an den Dienstleister bzw. einzelne Mitarbeiter ausdrücklich schriftlich fest, bestenfalls natürlich im Vertrag.

Erzählt Ihnen das Fachunternehmen im Kennenlerngespräch, wie toll es ist und haben Sie das Gefühl, das könnte ein bisschen geflunkert sein, bitten Sie das Unternehmen, das nochmals schriftlich zusammenzufassen – oder schreiben es selbst zusammen und schicken es dem Unternehmen bspw. per Fax oder E-Mail. Dadurch kann sich nämlich im Schadensfall ggf. eine Anfechtungsmöglichkeit (ggf. wegen Eigenschaftsirrtum nach § 119 BGB oder arglistiger Täuschung nach § 123 BGB) für den Auftraggeber ergeben.

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  • Mann hält Schild mit Fragezeichen vor Gesicht: © ra2 studio - Fotolia.com