News + Aktuelles

aus dem Eventrecht
EVENTFAQ im Gespräch mit Martin Rabanus (SPD)

EVENTFAQ im Gespräch mit Martin Rabanus (SPD)

Von Mandy Hännes´chen 4. August 2021

EVENTFAQ hat Vertreter der sechs Bundestagsfraktionen zum Thema Kunst, Kultur und Veranstaltungen befragt. Mit Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sprachen wir Anfang Juli. Für ihn sind Kunst, Kultur und Veranstaltungen wie Lebensmittel: „Ohne Kultur unser Zusammenleben in Deutschland und unsere Demokratie schlicht nicht denkbar.“, sagte er in unserem Interview.

Sind Unterstützungen für Kunst, Kultur und die Veranstaltungsbranche in Ihrem Wahlprogramm vorgesehen?

Martin Rabanus: „Natürlich haben wir die Veranstaltungsbranche im Blick. Es gibt allerdings mehrere Baustellen, die wir in diesem Zusammenhang gleichzeitig angehen müssen. Zum einen hat Corona gezeigt, dass wir die soziale Absicherung der Soloselbständigen, die sehr häufig in der Kulturbranche anzutreffen sind, verbessern müssen. Wir wollen daher den Zugang in die gesetzlichen Sozialkassen ermöglichen und auch die KSK in ihrer Arbeit weiter stärken. Zum anderen müssen wir, wie Olaf Scholz es schon im letzten Jahr vorgeschlagen hat, an einer Entschuldung der Kommunen arbeitet. Überspitzt gesprochen: es darf nicht sein, dass Bund und Länder sich auf die Finanzierung der großen Kultureinrichtungen wie bspw. auf der Museumsinsel in Berlin oder auch die Staatstheater in den Ländern beschränken und im Übrigen die Städte und Gemeinden mit der Finanzierung der restlichen (Sozio-)Kultur alleingelassen werden. Wir wollen, dass sich der Bund hier stärker beteiligt. Darüber hinaus wollen wir die Bundeskulturfonds stärken und Programme auflegen, die kulturelle Freiräume ermöglichen und bewahren. Mit Blick auf die Entwicklung unserer Innenstädte müssen wir sicherstellen, dass Clubs und Veranstaltungen nicht weiter verdrängt werden. Im Eventbereich spielt auch Klimapolitik eine Rolle. Wir möchten Konzepte für nachhaltige Veranstaltungswirtschaft fördern.“

An einer Veranstaltung hängen oft viele dutzend andere Unternehmen (z.B. Taxi, Hotel, Einzelhandel). Was würden Sie tun, um einem Veranstalter das Risiko abzunehmen, in den unsicheren Zeiten eine Veranstaltung zu wagen?

Martin Rabanus: „Olaf Scholz hat zuletzt mit dem Sonderfond für Kulturveranstaltungen weitere 2,5 Milliarden Euro für das Wiederhochfahren von Veranstaltungen und Events zur Verfügung gestellt. Dieser Fond besteht zum einen aus den Wirtschaftlichkeitshilfen und zum anderen aus Ausfallabsicherungen. Diese minimieren auch in aktuell unsicheren Zeiten das Risiko für Veranstalter:innen. Darüber hinaus haben wir während der letzten 16 Monate dafür gestritten die Kulturbranche zu sichern und über die Pandemie zu bringen. Über die beiden Kulturmilliarden in den Programmen „Neustart I“ und „Neustart II“ war es Clubs und Veranstaltern u.a. möglich in neue technische Ausstattung und in ihre Einrichtung zu investieren. Diese Programme wurden und werden rege genutzt.“

Was würden Sie tun, um einen nächsten Lockdown zu umgehen?

Martin Rabanus: „Innerhalb der letzten Monate haben Kommunen und Veranstalter:innen in enger Partnerschaft mit der Wissenschaft Konzepte und Pilotprojekte entwickelt, die Events und öffentliches Leben auch in Pandemiezeiten möglich machen. Ich bedauere sehr, dass diese Ergebnisse kaum bei den bisherigen Lockdown-Entscheidungen berücksichtigt worden sind. Gerade das „Manifest-Restart“ vom Forum Veranstaltungswirtschaft zeigt hier viele Möglichkeiten auf. Ich finde wir sollten bei allem nötigen Verantwortungsbewusstsein künftig mutiger sein.“

Was wird Ihre Partei anstreben, damit Kunst, Kultur und Veranstaltungen wieder Bestand haben und der Besuch von Veranstaltungen aller Art wieder für alle möglich sein wird?

Martin Rabanus: „Der Sonderfond für Veranstaltungen trägt aktuell dazu bei, dass wir für die Branche etwas Planungssicherheit bekommen. Zusätzlich laufen über die Kulturfonds weitere Programm- und Projektfinanzierungsmaßnahmen. Wichtig ist, dass wir in Sachen Teilhabe auch einen Blick auf das Publikum werfen. Ich weiß, dass einige Länder und Kommunen Kulturtickets für Veranstaltungen planen. Ich sehe das als geeigneten Weg, um breite Teile der Bevölkerung zu erreichen.“

Was haben Sie als Learning aus der aktuellen Pandemie für eventuell zukünftige Krisen oder Pandemiesituationen für sich mitgenommen?

Martin Rabanus: „Ich denke wir alle haben gelernt, dass wir schneller auf die steigenden Fallzahlen reagieren müssen, bevor es zu spät ist. Auch haben wir gelernt, dass es möglich ist harte Lockdowns zu verhindern, wenn wir uns vernünftig und verantwortungsbewusst verhalten. Für die Bekämpfung der Pandemie braucht es die Mitwirkung der gesamten Bevölkerung.“

Nennen Sie uns bitte 3 Punkte, warum ein Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche Sie wählen sollte.

Martin Rabanus, SPDMartin Rabanus: „Ich möchte nicht, dass mich Unternehmen wählen. Ich möchte, dass Menschen mich wählen. Wir konnten die letzten Monate bei der Union sehr gut beobachten, was es heißt, wenn Lobbyisten und Unternehmen zu viel Wirkmächtigkeit in einer Fraktion haben. Das war nicht nur bei den unsäglichen Maskendeals der Fall, sondern auch als die Union einen besseren Mieterschutz verhindert hat. Und hier trifft es alle, denn die Künstler:innen und Veranstalter:innen leben vor allem in den Ballungszentren und sind auf günstige Wohnungs-, Proberaum- und Studiomieten angewiesen.

Die SPD hat in der Pandemie gezeigt, dass wir niemanden im Regen stehen lassen. Das Kurzarbeitergeld, die Überbrückungshilfen, die Neustartgelder, die beiden Kulturmilliarden und der jetzige Sonderfond für Veranstaltungen mussten wir zum Teil gegen den Willen der Union durchfechten. Durch Corona ist ein Momentum in der deutschen Politik entstanden, von dem gerade die Kultur profitieren kann. Die SPD hat dafür nicht nur die passenden Pläne, sondern wir wissen auch wie wir sie finanzieren können.“

Wann würden Sie wieder eine Veranstaltung wie zum Beispiel: Theater, Oper, Konzert besuchen?

Martin Rabanus: „Ich besuche andauernd Veranstaltungen. Auch während der Pandemie habe ich mir digitale Konzerte und Theaterstücke angesehen. Viele Künstler:innen haben die aufgelegten Förderprogramme genutzt, um auch während der letzten Monate aktiv zu sein. Doch natürlich möchte ich wie alle wieder physisch im Theater, beim Konzert oder im Kino sitzen. Denn das ist doch viel schöner als nur digital vor dem Monitor. Die ersten Kino- und Konzertbesuche habe ich mit meiner Familie bereits geplant. Und ich freue mich auf einen tollen Sommer – den wünsche ich auch Ihnen und allen Leserinnen und Lesern.“

Das Interview führte EVENTFAQ mit Martin Rabanus am 05.07.2021.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Martin Rabanus, SPD: © DBT/von Saldern
  • Mandy Hännes’chen: © Mandy Hännes'chen
  • Interview Mikrofon: © BillionPhotos.com - Fotolia.com