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aus dem Eventrecht

Mythos 2: "Es passiert ja eh nichts!"

Von Thomas Waetke 17. September 2014

Unser 2. weit verbreiteter Mythos, den wir vorstellen wollen, ist die bemerkenswert oft zu hörende Aussage: „Es passiert ja eh nichts“. Damit will sich der Veranstalter bzw. Verantwortliche beruhigen, weil er glaubt, dass nichts oder so wenig passiert – jedenfalls ihm nichts. Tatsächlich kommt es aber oft genug vor, dass etwas passiert, aber auch, dass nur durch Gück und Zufall doch nichts passiert.

 

Natürlich gibt es nicht auf jeder Veranstaltung Tote und Verletzte oder einen hohen finanziellen Schaden. Aber es wäre fatal zu glauben, dass „nichts“ passiert: Man bekommt es nur nicht immer mit. Nicht jeder Unfall auf einem kleinen Sportfest steht irgendwo in der Presse, nicht jeder Arbeitsunfall wird überhaupt bekannt gemacht. 

 

Statistisch gesehen lässt sich auch schwer ausdrücken, wie hoch das Risiko ist: Trifft es einen, sind es immerhin 100%….

  • Nicht umsonst leben gleich mehrere Branchen und Berufsgruppen ganz gut davon, dass angeblich „nichts“ passiert (z.B. Rechtsanwälte, Mediziner, Krankengymnasten, Orthopäden usw.).
  • Wozu braucht man in Deutschland ca. 160.000 Rechtsanwälte, wenn nichts passiert, worüber man sich streiten sollte?
  • Warum gibt es tausende Gerichtsverfahren im Jahr, wenn doch nichts passiert?

 

Als Veranstalter oder Verantwortlicher auf Veranstaltungen muss man vor der Veranstaltung keine Angst haben. „Respekt vor der Verantwortung“ dürfte aber sicherlich angebracht sein, immerhin wollen Besucher und Gäste, aber auch Mitarbeiter darauf vertrauen dürfen, dass sie in Ruhe und Sicherheit feiern dürfen.

 

Immerhin gibt es eine Vielzahl von Regelwerken und Vorschriften, die es umzusetzen gilt. Dabei geht es nicht darum, ob man gerade Lust dazu hat, die Vorschrift umzusetzen: Pflichten sind nicht freiwillig, sondern eben „Pflicht“. Diese muss man erfüllen, auch wenn ma persönlich diese Pflicht als Belästigung oder unnötig empfindet.

 

Von einem Veranstalter muss man nicht verlangen, dass er „zaubert“ und 100%-ig alles richtig macht und jede in Betracht kommende Sicherheitsvorkehrung trifft. Man kann aber erwarten, dass er seine Verantwortung ernst nimmt und wirtschaftliche Interessen gegenüber dem Sicherheitsinteresse hinten anstellt. Wenn er wirtschaftlich, zeitlich, personell und emotional nicht in der Lage ist, eine zumindest durchschnittliche und vernünftigte Sicherheitslage zu gewährleisten, sollte er die Finger davon lassen. Nicht jede Veranstaltung muss veranstaltet werden.

 

Man darf es mit Sicherheitsvorkehrungen und Aufwand auch nicht übertreiben. Kein Besucher erwartet, dass er zu 100% sicher ist, wenn er eine Veranstaltung besucht. Aber in meiner Beratungspraxis stelle ich oft genug genau das Gegenteil fest: Es wird gar nichts getan, oft genug wird darüber gar nicht nachgedacht.

 

Aber auch hier kann man feststellen: So mancher Veranstalter macht „aus Versehen“ bzw. unbewusst doch das Richtige. Es ist ja nicht wichtig, dass man eine Vorschrift kennt und dann bewusst umsetzt – abgesehen davon, dass das bei der riesigen Masse von relevanten Vorschriften oftmals auch gar nicht möglich ist. Es ist aber wichtig, sich mit dem Thema Sicherheit bewusst auseinander zu setzen. Dabei verstehe ich unter „Sicherheit“ nicht nur die „Veranstaltungssicherheit“ im engeren Sinne, sondern ein ineinandergreifendes Netzwerk von Bausteinen:

  • Bauliche Sicherheit,
  • Organisatorische Sicherheit (Strukturen, Abläufe, Planungen),
  • Arbeitssicherheit (Arbeitsschutz),
  • Datensicherheit,
  • Vertragliche Sicherheit (auch wieder Strukturen, Zuweisungen, Verantwortlichkeiten, finanzielle Absicherungen),
  • Versicherungen/Risikomanagement,
  • Bewusstes Arbeiten,
  • Ausbildung und Fortbildung,
  • Sorgfältige Auswahl von Partnern,
  • und vieles mehr.

 

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