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aus dem Eventrecht

Erschreckende Erkenntnisse der Sheffield-Kommission

Von Thomas Waetke 13. September 2012

1989 kamen 96 Fußballfans im Hillsborough-Stadion im englischen Sheffield ums Leben, mehrere hundert wurden zum Teil schwer verletzt. 20 Jahre nach dieser Katastrophe wurden nun Unterlagen freigegeben, nachdem über 150.000 Menschen die Offenlegung gefordert hatten.

Eine daraufhin eingesetzte Prüfungskommission hat nach der Durchsicht der über 400.000 Dokumente jetzt festgestellt, dass gravierende Fehler der Polizei die Katastrophe mit ausgelöst hatten, und dass die Polizei versucht haben soll, ihre Fehler zu verschleiern; so soll die Polizei bspw. einzelne Passagen in den Berichten beseitigt und Unterlagen gefälscht haben. Die Polizei hatte damals den Fans die Schuld zugewiesen, die als betrunken und aggressiv dargestellt wurden.

Die Hauptursache für das Unglück wird nach den Feststellungen der Kommission darin gesehen, dass zu viele Zuschauer in das Stadion gelassen wurden. Die meisten Toten hatte es in einem Fan-Block der Liverpool-Fans gegeben, die dort zu Tode gedrückt wurden oder erstickten. Mindestens 41 Fans hätten überleben können, wenn die Polizei damals schneller gehandelt hätte. Zudem geht aus den Unterlagen hervor, dass die meisten Todesopfer entgegen der Darstellungen der Polizei nicht betrunken waren. Mitursächlich wurde auch die zögerliche Hilfe durch die Rettungsdienste gesehen: Hätten diese die Verletzten schneller wiederbelebt, hätten viele Opfer gerettet werden können.

Erstaunlich: Eine Anklage hat es bisher nicht gegeben. Der britische Premierminister David Cameron ließ nun verlauten, dass es nach diesem Bericht neue gerichtliche Untersuchungen geben könnte.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Es mag menschlich sein, Fehler vertuschen zu wollen. Es ist allerdings nicht verständlich, wenn ein Gesetz es erlaubt, dass Unterlagen über Jahrzehnte hinweg der Öffentlichkeit vorenthalten werden dürfen, und den Hinterbliebenen damit die Möglichkeit verwehrt wird, die Verantwortlichen auch zur Verantwortung zu ziehen. Erst eine Petition von über 150.000 Briten konnte erreichen, dass die Unterlagen vor Ablauf der ansonsten üblichen 30-jährigen Sperrfrist offen gelegt wurden.

Schauen wir weiter gespannt auf die Entwicklungen nach der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg. Hoffentlich sind wir besser in der Lage, umfassend für Aufklärung dieses Unglücks zu sorgen.