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aus dem Eventrecht

Einsturz einer Decke – die Folgen

Von Thomas Waetke 3. Oktober 2011

In einer Schule in Braunschweig war Ende August die Akustikdecke des Musikraums heruntergestürzt, verletzte wurde niemand. Als Ursache werden ungeeignete Dübel und Schrauben vermutet, die Staatsanwaltschaft hat Unterlagen bei der Baufirma sichergestellt und ermittelt gegen die Verantwortlichen.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass insbesondere Aufhängungen an der Decke ein besonderes Gefahrenpotential in sich bergen. Nicht umsonst gibt es dazu auch umfangreiche Regelwerke.

Und auch der Gesetzgeber hat die Gefahr erkannt und die Baugefährdung unter Strafe gestellt (siehe § 319 Strafgesetzbuch):

  • Absatz 1: Wer bei der Planung, Leitung oder Ausführung eines Baues oder des Abbruchs eines Bauwerks gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik verstößt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
  • Absatz 2: Ebenso wird bestraft, wer in Ausübung eines Berufs oder Gewerbes bei der Planung, Leitung oder Ausführung eines Vorhabens, technische Einrichtungen in ein Bauwerk einzubauen oder eingebaute Einrichtungen dieser Art zu ändern, gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik verstößt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen gefährdet.

Dieser Straftatbestand ist weithin unbekannt, kommt aber auch in der Eventbranche zum Tragen.

Auch die Unfallverhütungsvorschriften sehen Regelungen vor, z.B. die BGV C1 in ihrem § 7:

  • Absatz 1: Gegen das Herabfallen von Gegenständen auf Arbeitsplätze, Verkehrs- und Szenenflächen müssen Schutzmaßnahmen getroffen sein.
  • Absatz 6: Ortsveränderliche Beleuchtungs-, Bild- und Beschallungsgeräte müssen durch zwei unabhängig voneinander wirkende Einrichtungen gegen Herabfallen gesichert sein. Lose Zusatzteile oder sich lösende Teile müssen durch Einrichtungen aufgefangen werden können.

Details finden sich in der BGI 810-3 (das ist eine Berufsgenossenschaftliche Information).

In der Vergangenheit haben sich bereits mehrere teils schwere Unfälle ereignet, als entweder die ganze Decke heruntergekommen war oder Teile abgestürzt waren, so z.B.:

  • 65 Tote und 170 Verletzte in Katowice / Polen, 2006:

Dach einer Messehalle bricht ein.

  • 15 Tote und 34 Verletzte in Bad Reichenhall / Deutschland, 2006:

Das Dach einer Eislaufhalle stürzt ein.

  • 2 Tote und 25 Verletzte in Buenos Aires / Argentinien, 2010:

Einsturz einer Zwischendecke während eines Konzerts.

  • 8 Verletzte in Georgsmarienhütte / Deutschland, 2011:

Offenbar durch den extremen Bass der Musikanlage fällt ein mehrere Quadratmeter großes Stück Putz von der Decke auf Besucher einer Hochzeit.

  • 6 Verletzte in Paris / Frankreich, 2011:

Im Disneyland fällt ein künstlicher Felsen auf Besucher.

  • 4 Verletzte in Austin / USA, 2011:

Schwebekamera stürzt beim Auftritt der Band Omd in Besucherbereich.

  • 3 Verletzte in München, 2002:

Ein Scheinwerfer stürzt von der Decke.

  • 2 Verletzte in Hamburg, 2009:

Lautsprecher stürzt in das Publikum.

  • 2 Verletzte in Berlin, 2011:

Während das Konzert von Usher beginnt, fällt wohl noch während Rest-Aufbauarbeiten eine Metallkette von der Decke in den Besucherbereich.

  • 1 Verletzter in Bern / Schweiz, 2011:

Teile eines Daches eines Freizeitbades stürzen ein, durch Zufall waren an dieser Stelle nur wenige Besucher.