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32/18 Dummer Kunde = Auftrag weg?

32/18 Dummer Kunde = Auftrag weg?

by 5. Februar 2018

Muss der Vermieter den Mieter darauf hinweisen, ob/dass die Location für die Veranstaltung ungeeignet ist?

Muss der Berater den Auftraggeber darauf hinweisen, ob/dass der Auftrag wertlos ist bzw. unnötig?

Der Auftragnehmer muss in solchen Fällen mit seinem inneren Schweinehund kämpfen…: Lächeln und Auftrag wie gewünscht durchführen, oder dem Kunden sagen, dass er sich das Geld sparen kann? Ich habe schon oft gehört: “Wenn ich das dem Kunden sage, dann verliere ja meinen Auftrag!”

Aufklärungspflicht besteht nicht immer

Es geht es um das stillschweigende Dulden eines fremden Irrtums, indem eine entsprechende Aufklärung unterlassen wird. Diese besteht aber nicht grundsätzlich, nur weil man einen Vertrag schließt.

  • Jeder Vertragspartner ist zunächst selbst verpflichtet, sich über die für die eigene Willensentschließung maßgeblichen Tatsachen zu informieren.
  • Umgekehrt darf man grundsätzlich sog. überlegenes eigenes Wissen zum eigenen Vorteil verwerten.

Aber:

Treu und Glauben

Wie so oft gibt es aber auch Ausnahmen, in denen durchaus eine Offenbarungspflicht besteht. Juristisch gesehen ist hierfür maßgeblich der Grundsatz von Treu und Glauben (siehe § 242 BGB). In folgenden Fällen kann es also nach Treu und Glauben geboten sein, dass der “überlegene” Vertragspartner verpflichtet ist, schlimmstenfalls auf Geld und einen Auftrag zu verzichten:

  • Es besteht ein besonderes persönliches Treue- oder Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragspartnern
  • Es soll ein besonderes persönliches Treue- oder Vertrauensverhältnis durch einen Vertrag begründet werden.
  • Vertragsverhandlungen ziehen sich über einen längeren Zeitraum hin, wodurch ggf. ein gesteigertes Vertrauensverhältnis entstehen kann.
  • Der Vertrag hat für einen Vertragspartner eine besondere wirtschaftliche Bedeutung.
  • Es besteht ein erkennbares Informations- und Wissensgefälle (z.B. auch durch fachliche Unerfahrenheit).

Aufklärung in der Veranstaltungssicherheit?

In der Rechtsliteratur wird für die Offenbarungspflicht ein für viele Berater gerade im Bereich der Veranstaltungssicherheit wichtiges Beispiel genannt: Demnach soll ein Werkunternehmer, der weitgehend unerprobte Technik herstellt, zur Aufklärung des Bestellers über die Brauchbarkeit des Werkes verpflichtet sein.

Der Vergleich liegt nahe: Sind Systeme wie ein Sicherheitskonzept nicht erprobt bzw. basieren sie quasi “nur” auf eigenem Gedankengut, könnte das zu einer Offenbarungspflicht führen.

Immerhin dürften faktisch viele Auftraggeber glauben, sie kaufen “Sicherheit” ein…

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Teufel und Engel als Schatten: © shepherd302 - Fotolia.com