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aus dem Eventrecht

Duisburg: Wer ist schuld?

Von Thomas Waetke 28. Juli 2010

Wir erhalten vermehrt Fragen, wer denn für die Katastrophe in Dusiburg (siehe unsere Meldungen 63-69) verantwortlich sei. Es ist aber noch viel zu früh, hierauf eine Antwort zu geben. Abgesehen davon ist es auch Aufgabe der Justiz, die Schuldfrage zu klären.

Es ist reichlich unfair und wird auch den Opfern und Betroffenen nicht gerecht, jetzt schon Schuldzuweisungen zu äußern. Noch sind zu viele Fragen nicht sicher geklärt, Widersprüche und Falschmeldungen werden sich erst nach und nach aufdecken.

Ein Beispiel:

Anfangs wurde die Meldung verbreitet, dass man davon ausgehen würde, dass die Panik durch Stürze von einer Nottreppe verursacht wurden, über die Besucher unbefugt geflüchtet sind. Allein durch Stürze von der Treppe seien einige Todesopfer zu beklagen (siehe hier). Daraufhin stellte sich natürlich die Frage: Muss ein Veranstalter damit rechnen, dass Besucher Zäune niederreißen, eine Treppe hochklettern und hiervon abstürzen und dadurch eine Panik ausgelöst wird?

Zwischenzeitlich haben die gerichtsmedizinischen Untersuchungen ergeben, dass alle (!) Opfer durch Quetschungen im Brustbereich umgekommen sind – Hinweise auf Stürze von der Treppe haben sich nicht finden lassen. Auch Amateurvideos lassen nicht erkennen, dass Menschen von der Treppe gestürzt sind.

Dies ist eines von mehreren Beispielen dafür, dass man heute nicht alles für 100% gesichert annehmen darf, bevor die offiziellen Untersuchungen nicht abgeschlossen sind.

Eine belastbare und sachgerechte Aussage, wer für 20 Tote und 500 Verletzte verantwortlich ist, lässt sich heute definitiv noch nicht treffen. Die juristische Aufarbeitung wird ohnehin noch viele Jahre in Anspruch nehmen.