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aus dem Eventrecht

Duisburg: Gutachten vs. Gutachten

Von Thomas Waetke 1. September 2010

Die Loveparade in Duisburg hat 21 Tote und über 500 Verletzte gefordert – die möglichen Verantwortlichen schieben sich die Schuld gegenseitig in die Schuhe: Veranstalter, Stadt und Polizei, es soll jeweils der andere zuständig gewesen sein.

Die Stadt Duisburg hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, das binnen kurzer Zeit feststellte, dass die Stadt für das Unglück nicht verantwortlich sei. Die Stadt hatte das Gutachten denn auch gleich im Internet veröffentlicht, aber offenbar wichtige Anlagen zum Gutachten gerade nicht mitveröffentlicht. Ein Gutachten im Auftrag der FDP kam zu dem Ergebnis, dass die Polizei jedenfalls hätte eingreifen müssen, nachdem sie erkannt hat bzw. erkennen hätte müssen, dass die Sicherheit gefährdet ist.

Nunmehr hat das Innenministerium Nordrhein-Westfalen quasi für die Polizei ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Verantwortung wieder dem Veranstalter und auch der Stadt Duisburg zuschiebt.

Keinem Gutachten darf man „blind“ folgen, da nicht auzuschließen ist, dass der Gutachter ein für den Auftraggeber eher positives Gutachten verfassen könnte, um weiterhin Aufträge zu erhalten. Dies mag hier nicht zutreffen, dennoch muss man private Gutachten mit Vorsicht genießen. Im Gerichtsprozess nennt man solche Gutachten Parteigutachten, die häufig das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen – daher beauftragt das Gericht bzw. die Streitparteien gemeinsam einen neutralen Gutachter, dem das Ergebnis seines Gutachtens und der Ausgang des Gerichtsprozesses egal sein kann.

Fazit: Letztlich wird die Justiz entscheiden müssen, wer verantwortlich war. Wenn man unterstellt, dass die Verantwortungen nicht schriftlich abgegrenzt und festgehalten wurden, dann sieht man, wie schnell es hinterher zu Streit kommen kann.