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186/17 Dominoeffekt: Besucherin verursacht 200.000 Euro Schaden

186/17 Dominoeffekt: Besucherin verursacht 200.000 Euro Schaden

by 17. Juli 2017

„The visitor is transformed into a central player in a collaboratively fabricated adventure“ – Dieses Motto hat eine Besucherin eines Museums in Los Angeles (USA) wörtlich genommen: Sie wollte in einer Ausstellung ein Selfie machen, und ging vor einer Reihe von Stelen, auf denen jeweils wertvolle Kunstwerke platziert waren, in die Hocke. Mit ihrem Hinterteil kickte sie dabei die erste Stele um, und der Dominoeffekt tat sein übriges. Da ein paar Kunstwerke Unikate sind und zerstört wurden, wird der Schaden auf ca. 200.000 Euro geschätzt.

Ungeachtet dieser fast schon komödiantischen Einlage stellen sich juristische Fragen: Inwieweit haftet die Besuchern, wenn man umgekehrt dem Künstler bzw. dem Museum den Vorwurf machen könnte, die Stelen nicht gegen Umfallen gesichert zu haben?

Das Kunstwerk bestand aus 4 Reihen mit jeweils 12 Stelen. Die Stelen hatten unterschiedliche Höhen von ca. 1 bis 1,50 Meter und hatten eine Auflagefläche von vielleicht 40×40 cm, oben war jeweils eine Skulptur aufgestellt.

Auf einem Video kann man sehen, dass die Frau nicht mit roher Gewalt gegen die Stelen stößt, und diese leicht umkippen. Daher könnte man durchaus argumentieren, dass den Künstler bzw. das Museum eine Mitverantwortung trifft, wenn sie ein derart labiles Kunstwerk errichten, aber zugleich das hin- und herspazieren zwischen den Stelen erlauben und schon allein durch ein Anrempeln oder durch eine ungeschickte Drehung ein immenser Schaden (durch den obligatorischen Dominoeffekt) verursacht werden kann.

Übrigens:

Nach deutschem Recht führt auch schon leichteste Fahrlässigkeit (was man hier der Frau sicherlich vorwerfen kann) zu einem vollwertigen Schadenersatzanspruch. Schadenersatzrechtlich macht es keinen Unterschied, ob man leicht fahrlässig, grob fahrlässig oder vorsätzlich einen Schaden verursacht.

Diese Unterscheidung wird nur dann relevant, wenn man in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen bzw. vertraglich seine Haftung reduziert.

Ansprüche eines Geschädigten gegen den Schädiger kann es insbesondere aus zwei Anspruchsgrundlagen geben:

  • Dem Vertrag, z.B. wenn hier besondere Rechte oder Pflichten vereinbart werden, die der Vertragspartner dann verletzt, sowie
  • dem Gesetz, hier u.a. aus § 280 BGB (Pflichtverletzung im Rahmen eines vertraglichen Schuldverhältnisses) oder § 823 BGB (unerlaubte Handlung im Rahmen eines gesetzlichen Schuldverhältnisses, weil es bspw. keinen Vertrag gibt).

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Teller in Scherben: © Miredi - Fotolia.com