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Die Verantwortung für veranstaltungstypische Gefahren und Aufklärungspflichten des Beraters

Die Verantwortung für veranstaltungstypische Gefahren und Aufklärungspflichten des Beraters

Von Thomas Waetke 5. Februar 2019

Der Veranstalter ist “nur” für die veranstaltungstypischen Gefahren verantwortlich, also solche, die gerade aus seiner Veranstaltung heraus überhaupt entstehen: Lärm, Überfüllung, Aufbauten, das Veranstaltungsgelände (z.B. Stolperstellen) – jedenfalls so lange die Gefahren für den durchschnittlichen Besucher nicht problemlos erkennbar und beherrschbar sind (Verkehrssicherung).

Aber er ist nicht verantwortlich für solche Gefahren, die nicht unmittelbar mit seiner Veranstaltung zusammenhängen.

So muss der Veranstalter bspw. nicht deshalb einen Sanitätsdienst vorhalten, weil ein Besucher einen Herzinfarkt erleiden könnte – solange er keine Knalleffekte einsetzt und Zuschauer sich erschrecken könnten.

Der Veranstalter muss auch nicht jeder möglichen Gefahr vorbeugen: Der Besucher muss auf einer Veranstaltung nicht sicherer sein als außerhalb der Veranstaltung.

Man könnte jetzt sagen: Viel hilft viel, lieber mache ich etwas mehr, wenn ich dadurch Schäden verhindern kann. Oftmals denkt man in diesem Zusammenhang auch an mögliche Imageschäden, wenn es zu einem Schaden kommt.

Natürlich kann das eine Denkweise sein, sie ist nur nicht völlig ungefährlich:

Aus Sicht des Veranstalters: Wenn er Aufgaben übernimmt, für die er eigentlich nicht zuständig ist, dann übernimmt er aber für diese zusätzlichen Aufgaben auch die Verantwortung. Unnötig kann es daher sein, wenn aufgrund einer solchen freiwilligen Übernahme einer Aufgabe überhaupt erst der Schaden entsteht, der sonst nicht entstanden wäre.

Aus Sicht des Beraters: Hier ist besondere Vorsicht geboten, wenn der Berater seinem Kunden Aufgaben als “notwendig” anpreist: Er sollte hier deutlich unterscheiden zwischen “must have” und “nice to have”. Letztlich muss nämlich der Kunde entscheiden (der das “mehr” bezahlen muss und dafür die Mehrverantwortung übernimmt), ob er das möchte. Verschweigt der Berater, dass die Idee/Maßnahme gar nicht zwingend notwendig ist, dann kann er sich ggf. schadenersatzpflichtig machen.

Schwierig wird es in den Fällen, in denen es kein “richtig” oder “falsch” gibt, sondern nur ein “sinnvoll” oder “weniger sinnvoll” bzw. wenn es letztlich auf die persönliche Meinung des Beraters ankommt, was er – aufgrund seiner Erfahrung – als wichtig erachtet. Hier sollte der Berater dieses Dilemma auch kund tun und seinem Kunden sagen, dass

  • man sich gerade in einem gesetzlich ungeregelten Bereich befinde, und/oder
  • es sich dabei um die eigene, persönliche Meinung handelt, es aber keinen Stand der Technik gibt (wenn es einen gäbe und man davon abweichen wollte, muss man das dem Kunden unbedingt deutlich sagen!).

Mit “sagen” meine ich, dass dem Kunden soweit möglich auch die Rechtsfolge erklärt werden muss. Es reicht also nicht aus zu sagen “ich finde das wichtig”, denn auf Basis dieser Aussage kann der Kunde ja keine Entscheidung treffen.

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