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59/18 Die Nutzung von WhatsApp im Geschäftsbetrieb

59/18 Die Nutzung von WhatsApp im Geschäftsbetrieb

by 6. März 2018

Wer WhatsApp z.B. für den Kundenkontakt nutzt, sollte auf die Meinung des obersten Hamburgischen Datenschützers, Prof. Caspar, hören, der sich in seinem Tätigkeitsbericht für die Jahre 2016/2017 u.a. mit WhatsApp auseinandersetzt.

Eine Übermittlung personenbezogener Daten erfolgt an solche Anbieter immer dann, wenn dieser z.B. Telefonnummern oder andere Kontaktdaten erhält, damit eine Kommunikation überhaupt stattfinden kann. Dies erfolgt in der Regel über einen sogenannten Adressbuchupload, bei dem die gesamte Kontaktinformation eines Geräts an den Anbieter übermittelt wird.

Dazu sagt Prof. Caspar:

„Nach unserer Ansicht stellt eine solche Übermittlung zu unternehmerischen Zwecken eine vom Grundsatz her datenschutzrechtlich unzulässige Verarbeitung personenbezogener Daten dar. Denn aus den Nutzungsbedingungen der WhatsApp Inc. wird deutlich, dass sie ihre Nutzer auffordert, die Legitimität der Übermittlung der Daten eigenständig sicherzustellen. Zudem ist nicht vollständig gewährleistet, dass die WhatsApp Inc. die Adressbuchdaten ausschließlich und abschließend für die Erbringung der eigentlichen Kommunikationsdienstleistung verwendet.“

Das Problem: Die Datenschutzerklärung von WhatsApp ist hier zu unbestimmt und man könnte daraus folgern, dass die Daten auch über den eigentlich für die WhatsApp-Nutzung angedachten Zweck zu eigenen wirtschaftlichen Zwecken von WhatsApp genutzt werden. Was Unternehmen daher tun sollten, erklärt der Hamburgische Datenschützer auch:

„Soweit Unternehmen und Behörden meinen, dennoch nicht auf die Verwendung des Dienstes von WhatsApp verzichten zu können, sollte die Nutzung über ein Endgerät abgewickelt werden, welches bei der Installation der App über ein leeres Adressbuch verfügt. Werden die Unternehmen und Behörden dann direkt über WhatsApp von den Betroffenen kontaktiert, kann (konkludent) von einer Einwilligung der Betroffenen ausgegangen werden.“

Auch wenn zumindest der Hamburgische Datenschützer dieses Vorgehen nicht beanstanden würde, gibt es eine Möglichkeit, die deutlich mehr Rechtssicherheit mit sich bringt: Das Unternehmen tauscht die Nummern mit bspw. eben dem Kunden oder Geschäftspartner direkt aus und lässt sich eine schriftliche Einwilligung erteilen.

Beachten Sie, dass mit Geltung der DSGVO ab 25. Mai 2018 Sie den Nachweis führen müssen, dass die eingeholte Einwilligung rechtmäßig ist – und zwar rechtmäßig gemessen an den (neuen) Anforderungen der DSGVO.

Eine Übermittlung der bereits vorhandener Daten an WhatsApp könnte nach derzeit noch geltendem Recht (dem BDSG) erlaubt sein, wenn eine Einwilligung des Betroffenen besteht, oder die Erfüllung eigener Geschäftszwecke oder die Wahrung berechtigter Interessen des jeweiligen Unternehmens. Für das BDSG heißt es im Tätigkeitsbericht:

„In der Regel können Unternehmen und Behörden nicht davon ausgehen, dass Betroffene die Übermittlung z.B. ihrer Telefonnummer für nicht genauer spezifizierte Zwecke der WhatsApp Inc. hinnehmen müssen. … Die Annahme, dass schon deshalb eine Einwilligung in die Übermittlung von Adressdaten an die WhatsApp Inc. vorliegt, weil der Betroffene selbst Nutzer von WhatsApp ist, ist abzulehnen. Denn Dienste wie WhatsApp ziehen aus der Information, wer mit wem verbunden ist, zusätzliche Schlüsse.“

Die DSGVO bringt ab 25. Mai 2018 ein zusätzliche, nicht zu unterschätzende Möglichkeit, nämlich das berechtigte Interesse – im Gegensatz zum aktuellen BDSG stützt die DSGVO dieses Interesse nämlich ausdrücklich auf das Direktmarketing: Der die fremden Daten verarbeitende Unternehmer muss abwägen, ob sein Interesse an der Verarbeitung das Interesse des Betroffenen an der Nicht-Verarbeitung übersteigt. Dabei muss (oder darf!) er sich folgende wichtige Frage stellen: Erwartet der Betroffene vernünftigerweise, dass seine Daten vom Unternehmer verarbeitet werden? Und dies bejaht die DSGVO ausdrücklich in einem Kundenverhältnis für das Marketing.

Ein einfaches Quiz

Machen Sie mit bei einem einfachen Quiz: Können Sie alle relevanten Vorgänge von Datenverarbeitungen identifizieren?

weitere Infos zur DSGVO

Hier finden Sie weitere Details rund um die Datenschutz-Grundverordnung:

Thomas Waetke

Ich bin Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und der Herausgeber und Autor hier auf eventfaq.de. Hier lesen Sie mehr über mich.

EVENTFAQ – iwent-eff-a-kuh = so spricht man eventfaq aus. FAQ sind die häufig gestellten Fragen („Frequently Asked Questions“), die sich auch bei einer Veranstaltung stellen. Mit diesem Portal versuche ich, Antworten zu geben: Urteile, Gesetze, Artikel, Checklisten, Seminare, Webinare, Bücher und vieles mehr.

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