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441/16 Die Höhenangst beim Seminarteilnehmer

441/16 Die Höhenangst beim Seminarteilnehmer

Von Thomas Waetke 14. November 2016

In einem meiner letzten Seminare erschien eine Teilnehmerin mit Höhenangst. Nun könnte man meinen, dass die Höhenangst bei einem Seminar mit dem Thema Veranstaltungsrecht nicht so relevant ist – wenn aber das Seminar in Konferenzräumen im 12. Stock eines Hotels stattfindet, bekommt solch ein Thema schnell Relevanz. Die Teilnehmerin ist wieder nach Hause gegangen, und wollte aber die von ihr bereits bezahlten Teilnehmergebühren zurück.

Zu Recht?

Letztlich spielt hier die Frage eine Rolle, welche Informationen ein Veranstalter im Vorfeld geben muss, damit der Interessent entscheiden kann, ob er dabei sein möchte/kann.

Grundsätzlich muss der Veranstalter nur die für den Vertragsschluss selbst relevanten Inhalte liefern: Was, wann, wo und was kostet es?

Darüber hinaus müsste er die Interessenten nur dann aufklären, wenn die Informationen für den durchschnittlichen Interessent einerseits nicht erkennbar, andererseits für die Entscheidungsfindung wichtig sind. Dabei spielt auch eine Rolle, was üblich ist.

Beispiel: Findet das Seminar auf dem Standstreifen einer Autobahn statt, müsste der Veranstalter darauf hinweisen, dass es laut werden könnte…

Ist aber der Interessent selbst gehandicapt, und fällt er somit aus dem Durchschnitt der Seminarteilnehmer heraus, ist er grundsätzlich selbst verantwortlich, zu prüfen, ob eine Teilnahme für ihn machbar ist.

Beispiel: Ein Interessent bekommt Panikattacken, wenn er sich in einem geschlossenen Raum befindet, bei dem auch die Türen geschlossen sind. Oder er leidet an einer Allergie, die durch Sitzpolster ausgelöst wird. Er müsste nun den Veranstalter fragen, ob der Seminarraum geschlossene Türen bzw. Sitzpolster hat.

Allgemeines Lebensrisiko

Tut er das nicht, muss er damit rechnen, dass das Seminar für ihn nicht geeignet ist; man spricht hier auch vom allgemeinen Lebensrisiko.

Leidet ein Teilnehmer unter Höhenangst und kann nicht in einem Raum im 12. Stock arbeiten, so ist das wohl nicht “durchschnittlich”, d.h. ein Seminarveranstalter muss nicht extra darauf hinweisen, wenn das Seminar in einem 12. Stock stattfindet – schließlich ist es auch nicht außergewöhnlich, dass ein Seminar in einem höher gelegenen Stockwerk stattfindet.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Ledersessel in einem Konferenzraum: © ArtmannWitte - Fotolia.com