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aus dem Eventrecht
Der Unfall vor der Eröffnung

Der Unfall vor der Eröffnung

Von Thomas Waetke 11. Januar 2017

Stolperstellen gibt es reichlich: Schmutzfangmatten, Türschwellen, Kabel, Rohrleitungen, auf dem Boden liegende Gegenstände, bauliche Begebenheiten usw.

Grundsätzlich ist der Veranstalter (ggf. auch Betreiber) verantwortlich dafür, dass es keine Stolperstellen gibt – jedenfalls nicht solche, die der Besucher unschwer erkennen und umgehen kann. Hier kommt es also u.a. auf die Lichtverhältnisse an: War der durchschnittlich aufmerksame Besucher (denn dieser ist der Maßstab) in der Lage, die Stolperstelle zu erkennen? Und hätte dieser durchschnittlich aufmerksame Besucher die Stolperstelle dann auch gefahrlos meistern können (z.B. indem er außen herumgeht, oder indem er seinen Fuß höher hebt)?

Dies gilt im Übrigen auch für den Zeitraum vor Veranstaltungsbeginn:

Hält sich der Besucher außerhalb der Veranstaltungsstätte auf, kommt es darauf an, ob dieser Bereich noch in den Einfluss- und Verantwortungsbereich des Veranstalters oder Betreibers fällt. Irgendwo gibt es die Grenzlinie; bis dahin sind Veranstalter und Betreiber verantwortlich, dahinter dann nicht mehr. Die Grenze wird sich sicherlich jedenfalls dort ziehen lassen, wo man sich auf dem Eigentum des Betreibers bzw. Veranstalters aufhält. Solange man also auf dem Grundstück steht, auf dem auch die Location gebaut ist, wird es sich auch um den Verantwortungsbereich des Betreibers bzw. Veranstalters handeln. Dies betrifft bspw. auch das Räumen und Streuen im Winter, aber auch Baumwurzeln oder lose Pflastersteine.

Aber auch hier gilt: Solange der durchschnittlich aufmerksame Besucher die Gefahrenstellen erkennen und unschwer umgehen kann (bspw. weil der Weg gut beleuchtet ist), reduziert sich die Verantwortung des Betreibers bzw. Veranstalters womöglich auf Null. Das gilt umso mehr, wenn der Besucher im Freien ist, da er dann eher damit rechnen muss, dass im Winter Schnee liegt oder Steine auch lose sein können.

Befindet sich der Besucher bereits in der Veranstaltungsstätte, gilt auch nichts anderes. Ganz im Gegenteil: Erkennt der durchschnittlich aufmerksame Besucher, dass noch Aufbauarbeiten im Gange sind und die Location offiziell noch nicht geöffnet ist, dann erhöhen sich auch die Sorgfaltsanforderungen an den Besucher: Er darf dann (noch) nicht damit rechnen, dass alle Flächen bereits gefahrlos begehbar sind – denn typisch für den Aufbau ist ha, dass noch Sachen auf dem Boden herumstehen. Stolpert ein Besucher also über einen Gegenstand, der auf dem Boden liegt zu Aufbauzwecken, dann trägt er zumindest ein sog. Mitverschulden. In einem Fall vor dem Oberlandesgericht Nürnberg war ein Besucher über eine Holzpalette gestolpert, obwohl für ihn erkennbar der Laden noch nicht für Besucher geöffnet war. Das Gericht entschied, dass der verletzte Besucher denn auch 40 % Eigenanteil an seinem Schaden zu tragen habe.

 

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