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aus dem Eventrecht
Der Schaden ist da – was tun?

Der Schaden ist da – was tun?

Von Thomas Waetke 12. August 2016

Ein Unternehmen ist im wahrsten Sinne des Wortes gut beraten, wenn es sich auch auf eine Krise und einen Schadensfall vorbereitet. Das können der Ausfall der EDV, Ausfall wichtiger Mitarbeiter, ein Feuer, Datenverlust, ein Unfall auf der Veranstaltung usw. sein.

Ich berate meine Mandanten nicht nur nach dem Ereignis, sondern am liebsten auch davor: Vorher kann man agieren, hinterher nur noch reagieren. Wir erstellen dann Guidelines bzw. ein Szenario, das die betroffenen Mitarbeiter aus der Schublade holen und abarbeiten können.

Grundsätzlich macht es Sinn, ein Szenario bzw. Fahrplan in der Schublade zu haben, wonach sich betroffene Mitarbeiter richten können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es erhebliche Unterschiede machen kann, ob der Schadensfall auch strafrechtlich relevant ist und man selbst ggf. sogar als Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren gelten könnte, oder tatsächlich nur als Zeuge.

Auch mit Blick auf die Öffentlichkeitsarbeit macht es Sinn, sich vorher Gedanken zu machen, wie man auf einen Schadensfall reagiert. Ist es nämlich soweit, hat man meist anderes im Kopf als sich einen Plan zurecht zu legen, bzw. man muss aufpassen, dass ein eventueller Shitstorm im Internet nicht schneller ist und uneinholbar wird.

Dabei gilt abzuwägen, ob Offenheit und Transparenz in der Krisenkommunikation empfehlenswert oder doch Zurückhaltung geboten ist. Nicht nur, dass schlimmstenfalls falsche oder unausgegorene Tatsachen verbreitet werden, sondern auch solche, die einem in einem späteren Ermittlungsverfahren vielleicht selbst im Weg stehen.

Letztlich müssen PR-Arbeit, juristische Nachsorge und Aufarbeitung sowie der Schutz der Arbeitnehmer und auch der eigenen Person (sei es strafrechtlich, sei es psychologisch) in Einklang gebracht werden. Ich erlebe immer wieder, dass die PR-Abteilung übereifrig Pressemeldungen streut, die später zum Bumerang werden.

„Verantwortung übernehmen“ heißt es oft von Krisenkommunikations-Experten. Auch den „Verantwortlichen“ der Loveparade-Katastrophe wurde seinerzeit vorgeworfen, in einer Pressekonferenz nur ein bedrücktes Gesicht gemacht zu haben, und nicht etwa die Verantwortung übernommen zu haben. Nur: Wenn es gerade zig Tote und Verletzte gegeben hat, fällt es einem Menschen eben nicht leicht, kein bedrücktes Gesicht zu machen. Und wenn man vorschnell Verantwortung übernimmt, kann man schlimmstenfalls in einen strafrechtlichen Strudel hineinrutschen, wo man möglicherweise gar nicht hingehört.

Es gibt immer ein paar Klassiker, an die man denken sollte:

  • Gibt es ein Schadenszenario, das man abarbeiten kann?
  • Sind bestimmte Personen zu informieren?
    • Presseabteilung?
    • Unternehmensjuristen? Externer Rechtsanwalt?
    • Vorgesetzte und betroffene Mitarbeiter
  • Versicherung(en) unverzüglich (!) informieren
  • Beweise sichern: Namen notieren, Fotos machen usw.
  • Den Schaden soweit möglich so gering wie möglich halten
  • Im Zweifel die Aussage verweigern, wenn man als möglicher Beschuldigter vernommen wird und vor einer Aussage einen Anwalt fragen.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Hand ragt aus dem Wasser: © Andrey Kuzmin - Fotolia.com