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aus dem Eventrecht

Der Kunde und die Fristen

Von Thomas Waetke 19. Januar 2013

Wenn ein Kunde aufs Tempo drückt und die Agentur den Auftrag annimmt: Wer ist verantwortlich, wenn der Termin nicht gehalten werden kann? Stellen wir uns mal vor, die Eröffnung eines kleinen Flugplatzes in Bärlinn (Berlin-Brandenburg) ist für 2019 geplant, und die Eröffnungsfeier muss verschoben werden.

Ich weiß, völlig verrückt, aber tun wir mal so:

→ Was ist, wenn die Agentur Termine nicht einhalten kann?

→ Was ist , wenn der Kunde schon arg kurzfristig von der Agentur die Durchführung einer Veranstaltung wünscht?

Grundsätzlich ist die Agentur stets verpflichtet, seinen Kunden so früh wie möglich auf Zeitprobleme hinzuweisen. Das darf der Kunde von einer professionellen Agentur erwarten. Sagt die Agentur nichts, oder sagt sie sogar „alles kein Problem, das kriegen wir hin“, dann haftet sie auch für die rechtzeitige Fertigstellung des Auftrages.

Anders wäre es nur, wenn die Agentur auf das Zeitproblem hinweist und der Kunde den Auftrag trotzdem erteilt. Dann aber sollte die Agentur klarstellen, dass sie dem Kunden keine Gewähr dafür geben kann, dass die Termine eingehalten werden können: Aus Sicht des Kunden muss eindeutig sein, dass möglicherweise der Termin platzen könnte und dass nicht die Agentur dafür verantwortlich gemacht werden kann. Wird der Kunde hingehalten, vertröstet oder im Unklaren gelassen, könnte er die Agentur auf Schadenersatz in Anspruch nehmen (dazu später mehr).

Wurde der Auftrag frühzeitig erteilt, aber liefert der Kunde die von ihm zu erbringenden Leistungen nicht rechtzeitig und kann die Agentur deshalb den Termin nicht halten, so muss sie den Kunden möglichst frühzeitig und nachweisbar auf die Konsequenzen hinweisen. Die Agentur sollte dann dafür sorgen, dass sie diese Hinweise und Warnungen auch beweisen kann: Sie sollte den Kunden also schriftlich (per E-Mail und per Fax) hinweisen, auch durch Mitarbeiter, die dann später als Zeugen auftreten können. Je nach Dringlichkeit und Auswirkungen des Verzuges sollte die Agentur ihren Kunden auch mehrmals warnen und auffordern, idealerweise auf verschiedenen „Kanälen“: Mail, Fax, Post, Telefonanrufe usw. Unterschätzen Sie das Problem nicht, in einem späteren Gerichtsprozess ihre Warnungen und deren Eindringlichkeit und Deutlichkeit auch beweisen zu können.

Wichtig: Wenn Sie heute eine Vertrauensperson losschicken, die wahrscheinlich später Zeuge sein könnte, dann denken Sie an die natürliche Vergesslichkeit von Zeugen: Der Zeuge soll sich alles, was er getan, gehört, gesagt und beobachtet hat, direkt aufschreiben und mit Datum und seiner Unterschrift versehen. So kann er (oder Sie) die Unterlagen später aus der Schublade ziehen und kann nichts vergessen.