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aus dem Eventrecht

Der domestizierte Mann darf im Stehen pinkeln

Von Thomas Waetke 27. Januar 2015

Ein Vermieter hatte seinen Mieter verklagt, weil der Mamorboden im WC gelitten hat: Der notorische stehpinkelnde Mieter war offenbar nicht allzu zielsicher, daher wurde der Mamorboden irreparabel beschädigt. Diesen Schaden wollte der Vermieter ersetzt haben. Das Amtsgericht Düsseldorf wies die Klage nun zugunsten des Stehpinklers ab. Die Begründung ist durchaus lesenswert – und auch hieraus lassen sich allgemein nützliche Informationen zur Verkehrssicherungspflicht bzw. vertraglichen Schadenersatzpflicht herauslesen.

Zunächst die leicht ironische Begründung des Gerichts:

«Trotz der in diesem Zusammenhang zunehmenden Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen durchaus noch weit verbreitet. Jemand, der diesen früher herrschenden Brauch noch ausübt, muss zwar regelmäßig mit bisweilen erheblichen Auseinandersetzungen mit – insbesondere weiblichen – Mitbewohnern, nicht aber mit einer Verätzung des im Badezimmer oder Gäste-WC verlegten Marmorbodens rechnen.»

In dem Urteil finden sich aber ein paar wichtige Grundsätze bzw. Hinweise:

An einer Schadenersatzpflicht kann es fehlen, wenn für den Schädiger gar nicht erkennbar ist, dass er einen Schaden anrichten kann. Anders wäre der oben geschilderte Fall sicherlich ausgegangen, wenn nicht Marmor, sondern Teppich im WC verlegt wäre (wir das ja ganz ganz oft der Fall ist…): Bei einem Teppich kann man(n) sich eher denken, dass man da nicht einfach draufpinkelt, ohne dass der Teppich beschädigt wird.

Legt der Vermieter Wert darauf, dass derlei Schäden ausgeschlossen sind, muss er entsprechende Hinweise geben bzw. dies vertraglich vereinbaren. Allerdings beißt sich hier die Katze in den Schwanz: Nicht jede vertragliche Vereinbarung, wie sich jemand zu benehmen hat, ist wirksam. Fraglich ist daher, ob ein Vermieter dem Mieter vorschreiben darf, welche Körperhaltung er beim Urinieren einzunehmen hat.