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aus dem Eventrecht
Der Berater im Fokus

Der Berater im Fokus

Von Thomas Waetke 21. Februar 2013

Von einem Berater wird erwartet, dass er alles weiß und kann, dass er billig ist (denn er ist ja Fachmann, da geht alles viel schneller) und dass er gestern schon alles fertig hatte. Das geht mir als Rechtsanwalt so, das geht auch den Beratern in der Veranstaltungsbranche so: Eventagenturen, Techniker oder die Ersteller von (Sicherheits-)Konzepten.

Mit diesem Beitrag wollen wir uns mit der Haftung dieses Beraters beschäftigen.

Ein Berater kann strafrechtlich und zivilrechtlich haften: Im Zivilrecht geht es um den Schadenersatz, im Strafrecht um die persönliche Verantwortung, die manchmal zu einem verlängerten Wochenende im Gefängnis führen kann.

Ein Beispiel: Ein Besucher wird durch eine Nachlässigkeit beim Aufstellen einer Tribüne schwer verletzt.

Der Besucher kann Schadenersatz und Schmerzensgeld nun zivilrechtlich verlangen von seinem Vertragspartner (dem Veranstalter) und dem Täter – wenn er ihn denn findet. Wenn der Besucher den Schaden von seiner Versicherung ersetzt bekommt, dann richtet sich die Versicherung gegen den Veranstalter und/oder Täter.

Die Staatsanwaltschaft wird sich mit den Verantwortlichen über die strafrechtliche Komponente des Unfalls unterhalten: Es geht um fahrlässige Körperverletzung.

Wir wollen in diesem Beitrag mit der zivilrechtlichen Haftung des Beraters beginnen.

Dabei möchte ich auf zwei bemerkenswerte Entscheidungen des Bundesgerichtshofes aufmerksam machen:

Übernahme von Leitungsfunktionen

Wer Leitungsfunktionen übernimmt, übernimmt auch die Verkehrssicherungspflichten seines  Auftraggebers. Lesen Sie dazu unseren Beitrag Verantwortung des Projektleiters.

Dies kann bspw. den Projektleiter, den Konzeptersteller oder eine Agentur treffen, die Leitungsaufgaben an sich zieht. Allein dies bedeutet, dass man schon nicht mehr unauffällig in der zweiten Reihe steht, sondern nun eine erhebliche juristische Verantwortung trägt.

Haftungsdurchgriff auf den Berater/Gutachter

Hinzu kommt eine neuere Entscheidung des BGH: Der Geschädigte kann im Schadensfall auf den Gutachter durchgreifen, wenn der Gutachter zumindest fahrlässig einen Fehler verursacht und dadurch ein Schaden entstanden ist. Ob diese Rechtsprechung auch nur auf den einfachen „Berater“ übertragbar ist, bezweifle ich; allerdings wäre dies sicher möglich, wenn der Berater seine sachverständige Meinung zum Besten gibt bzw. im Vertrag seine Sachkunde gefordert ist. Lesen Sie dazu unseren Beitrag vom vergangenen Freitag Auch der Sachverständige sitzt mit im Boot.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Besprechung, Hand mit Kugelschreiber: © ty - Fotolia.com