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aus dem Eventrecht

Das waren 3,5 Sekunden zuviel Cold as Ice

Von Thomas Waetke 28. Februar 2013

In einer Diskothek legt der DJ den Foreigner-Song „Cold As Ice“ auf; das Ergebnis: Eine Besucherin klagt über massive Hörbeschwerden und verklagt den Veranstalter und den DJ.

Die Klage landete schließlich beim Oberlandesgericht München, das die Klage im Ergebnis aber abgewiesen hat. Was war passiert?

Das Oberlandesgericht München stellte zunächst einmal klar, dass durchaus Veranstalter und DJ nebeneinander verantwortlich sein können und die verletzte Besucherin grundsätzlich von beiden Schadenersatz fordern könne (zur Klarstellung: Wenn die Besucherin einen Schaden von 1.000 Euro hat, kann sie von beiden auch nur diese 1.000 Euro insgesamt fordern; wie die beiden sich das untereinander aufteilen, kann ihr dann egal sein. Sie bekommt aber das Geld nicht doppelt).

Enthält das Gesetz keine konkreten Vorgaben zum Thema Besucher-Lärmschutz, dann muss der Verantwortliche eben selbständig die erforderlichen geeigneten Maßnahmen treffen, um Schäden zu verhindern.

Hier allerdings konnte zunächst dem Veranstalter kein Vorwurf gemacht werden: Er hatte die Tonanlage so eingerichtet, dass bspw. auch das versehentliche Aussteuern der Hebel ausgeschlossen sei. Außerdem handele es sich um eine kleine Anlage in üblichem Ausmaß, jahrelang hätte es keine Beschwerden gegeben, und auch auf der Veranstaltung hatten sich keine anderen Besucher beschwert. Diesen Argumenten folgte das Gericht, nachdem auch ein Sachverständiger dies so bestätigt hatte.

Auch der DJ musste aber nicht haften: Das Oberlandesgericht München entschied, dass von einem DJ nicht erwartet werden könne, dass er genau wisse, dass die Hochtonlastigkeit einer nur kurzen Sequenz gesundheitsgefährdend sei. Der Sachverständige hatte in einer Vielzahl von Versuchen nämlich herausgefunden, dass bei der kritischen Tonfrequenz in dem Song bis zu einer Zeit von 12,9 Sekunden eine Gehörschädigung nicht zu erwarten sei, die fragliche Sequenz allerdings 16,4 Sekunden betrage.

Grundsätzlich müsse zwar ein DJ durchaus wissen, welche Situationen – insbesondere eben die Lautstärke – für den Besucher gefährlich seien, so das Gericht. Allerdings wollte das Gericht nicht so weit gehen, von einem DJ die medizinischen Kenntnisse zu erwarten, dass zwar 12,9 Sekunden unproblematisch, 16,4 Sekunden dagegen gefährlich seien. Unter dem Strich wollte das Gericht dem DJ also ebenfalls keinen Vorwurf machen, und berücksichtigte dabei auch die besonderen Umstände in einer Diskothek: Der DJ müsse sich ja auch darauf konzentrieren, bereits den nächsten Song einzumischen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Das Urteil ist natürlich kein Persilschein. Immerhin konnten der Veranstalter und der DJ beweisen, dass sie durchaus grundlegende Vorsichtsmaßnahmen alleine schon technischer Art getroffen hatten. Eine wesentliche Bedeutung hatte hier auch das Lied, das den Hörschaden ausgelöst hatte: Hier gab es eben eine gewisse Tonsequenz, die gefährlich war und die der DJ in der Kürze der Zeit nicht erkannt hatte.