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aus dem Eventrecht
Das Plagiat

Das Plagiat

Von Thomas Waetke 7. März 2011

Nachdem hier verschiedene Fragen zum Thema „Plagiat“ aufkamen, hier ein kurzer Abriss zum Thema:

Es soll ja Politiker und andere Doktoranden geben, die in ihren Doktorarbeiten abschreiben. Mich persönlich erstaunt, dass ein Politiker offenbar nach Meinung vieler Bürger in großem Stil abschreiben darf und dies als so unwesentlich abgetan wird, dass sein Rücktritt wieder rückgängig gemacht werden soll. Denn immerhin: Das unerlaubte Verwenden fremder urheberrechtlich geschützter Werke ist eine Straftat (siehe § 106 UrhG)! Und wenn es stimmt, dass derart viele Textstellen kopiert wurden, dann dürfte es doch mehr als unwahrscheinlich sein, dass der Autor das nicht gemerkt hat…

Sei´s drum.

Wenn ein Werk urheberrechtlich geschützt ist (siehe unseren Beitrag hier) benötigt man grundsätzlich die Zustimmung des Urhebers, wenn man es nutzen möchte. Diese Zustimmung kann schriftlich, mündlich oder konkludent erteilt werden. Letztlich handelt es sich hierbei dann um einen „Lizenzvertrag“.

Das Urheberrechtsgesetz besagt: Der Urheber soll von seinem Werk leben können. Das kann er aber nur, wenn nicht Jedermann sein Werk ungefragt und kostenlos benutzt.

Allerdings kennt das Gesetz auch Ausnahmen: Liegen diese vor, darf man das fremde Werk ungefragt benutzen. Diese Ausnahmen nennt man im Urheberrecht „Schranken„: Dem Grundsatz „Der Urheber muss gefragt werden“ setzt das Gesetz bestimmte Schranken.

Das bekannteste Beispiel einer solchen Schranke ist der Privatgebrauch: Wer zuhause privat im Internet surft und ein schönes Foto findet, darf sich das Foto ausdrucken und zu Hause an die Wand hängen (siehe § 53 Abs. 1 UrhG).

Die Schranke, die im Plagiatsfall Guttenberg eine Rolle spielt, ist das Zitatrecht (§ 51 UrhG). In (sehr engen) Grenzen darf man fremde Werke bei sich zitieren, dann aber…

  • muss kenntlich gemacht werden, dass es sich um ein Zitat handelt, bspw. durch die Verwendung von Anführungszeichen,
  • muss trotzdem der Urheber genannt werden (§ 13 UrhG), sofern die Nichtnennung nicht ausnahmsweise branchenüblich ist, und
  • es muss die Quelle angegeben werden, wo man das Zitat her hat (§ 63 UrhG).

Wichtig bei allen Schranken ist: Da es sich nur um Ausnahmen von dem Grundsatz „Zustimmung erforderlich“ handeln soll, muss man sich recht eng am Gesetzeswortlaut halten.

Zitatrecht (§ 51 UrhG)

[…] Zulässig ist dies insbesondere, wenn

  1. einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden,
  2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden […]

Die Ziffer 1 meint die so genannten wissenschaftlichen Großzitate: Hier dürfen durchaus komplette fremde Texte übernommen werden, allerdings:

  • darf dies nicht zu einer bloßen Aneinanderreihung fremder Zitate führen („einzelne“) und
  • das eigene Geschreibsel muss für sich gesehen immer noch urheberrechtlich relevant sein („selbständiges“).

Die Ziffer 2 meint die so genannten Kleinzitate: Kurze Passagen eines fremden Textes darf man in den eigenen Text übernehmen, allerdings:

  • darf insbesondere nicht das komplette fremde Werk übernommen werden („Stellen eines Werkes“).

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Klage gegen Hochschule.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Information/i-Puzzlestück: © Jamrooferpix - Fotolia.com