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aus dem Eventrecht
Das Leben als Eventrechtler

Das Leben als Eventrechtler

Von Thomas Waetke 19. Oktober 2018

Was macht eigentlich der Anwalt, der sich auf das Veranstaltungsrecht spezialisiert hat?

Diese Frage bekomme ich oft gestellt.

Nun, zunächst muss man wissen, was „Veranstaltungsrecht“ eigentlich ist: Es geht dabei um alle Rechtsthemen in Bezug auf eine Veranstaltung.

Ein Beispiel: Arbeitsrecht. Ich bin kein „Arbeitsrechtler“, aber ich bearbeite die paar Themen aus dem Arbeitsrecht, die einen Bezug zur Veranstaltung haben: Arbeitnehmerüberlassung, Arbeitsschutz, Aushilfen… Oder das Steuerrecht: Hier bearbeite ich Themen wie Umsatzsteuer im Tickethandel oder Künstlervertrag, Ausländersteuer oder Lohnsteuer bei Mitarbeiterveranstaltungen (einen Überblick über die verschiedenen Rechtsgebiete finden Sie hier).

Was ist der Vorteil der Spezialisierung?

Der Spezialist kennt nicht nur die besonderen Vorschriften, die sich oftmals versteckt über eine Unmenge von Regelwerken verteilen. Ich kenne auch die typischen Bedürfnisse der Beteiligte, die Fachbegriffe und natürlich auch die Vorschriften (zwar nicht auswendig, aber ich weiß, wann ich wo reinschauen muss).

Ein Beispiel auch hier: Ein Anwalt kann einen Mietvertrag erstellen. Aber kennt der nicht-spezialisierte Anwalt auch die besonderen Anforderungen an die Vermietung einer Location? Kennt er das Zusammenspiel aus Mietrecht, Pachtrecht und Baurecht? Man kann das vergleichen mit Ärzten: Wer Zahnschmerzen hat, geht zum Zahnarzt und nicht zum Hautarzt.

Einer meiner Schwerpunkte ist dabei die Vertragsgestaltung: Ich erstelle Verträge und AGB, z.B. Agenturverträge, Lizenzverträge, Mietverträge… ich berate Mandanten bei Vertragsverhandlungen usw.

Ein  Tipp: Es ist im Regelfall günstiger, den Anwalt vorher zu fragen, als hinterher. Vorher kann man agieren, hinterher oftmals nur noch reagieren.

In diesem Sinne fragen Mandanten auch oft vorher, ob sie etwas bestimmtes beachten müssten, bspw. wenn sie ein Gewinnspiel veranstalten wollen, eine Quad-Tour, einen Segelausflug oder eine Veranstaltung in einer alten Burg durchführen wollen usw.

Manchmal kommt die Anfrage leider sehr kurzfristig rein, dann wird es schwierig, das notwendige Niveau aufrecht zu erhalten. Es wird umso schwieriger, wenn der Mandant schon eine feste Meinung hat und sich diese nur noch „kurz“ vom Anwalt bestätigen lassen möchte… und man ihm klar machen muss, dass er umdenken muss.

Auch glauben viele Leute, nur weil man Spezialist sei wisse man alles… einerseits weiß ich nicht alles und andererseits fallen dem Spezialisten oftmals Probleme auf, die der Nicht-Spezialist gar nicht erkennt – das macht es dann nicht immer leichter… oft genug muss ich dann abwägen, welche Detailtiefe im Einzelfall sinnvoll und/oder geboten ist.

Mittlerweile haben wir davon Abstand genommen, Gerichtsverfahren durchzuführen. Die Prozessordnung ist auch ein spezielles Rechtsgebiet, und alles wissen kann auch ich nicht. Sollte es mal zu einem Prozess kommen, binden wir einen Kollegen ein, der die prozessualen Schritte begleitet oder übernimmt. Genauso übrigens gilt das für einige Rechtsgebiete: Sollte es speziell werden, ziehe ich eine Kollegin aus dem Arbeitsrecht oder einen Kollegen aus dem Verwaltungsrecht dazu, da diese oftmals über ein vertiefteres Wissen verfügen.

Um auf dem neusten Stand zu bleiben, bin ich oft und auch gerne auf Fachtagungen oder nehme an speziellen Fortbildungsschulungen teil, genauso begleite ich manche Mandanten direkt vor Ort bei Ihrer Veranstaltung.

Außerdem schreibe ich Beiträge für EVENTFAQ. Das ist so gesehen auch eine Fortbildungsmaßnahme, da ich stetig über neue Vorfälle, Urteile oder Vorschriften schreibe bzw. danach suche – und mich damit mit Rechtsfragen schon auseinandersetze, lange bevor sie als Mandat auf meinem Schreibtisch landen.

Und zwischen den ganzen Akten und Fragen esse ich gerne  Schokolade und trinke viel zu viel Cola light :-)

 

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